Ökologie (Tiere und Pflanzen)

 

 


Auszüge aus dem ökologischen Gutachten

Darin wird mehrfach gefordert das gesamte Gebiet Sindelbach/Streuobstwiesen als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen! Wichtige Stellen wurden von uns rot markiert. Lesen Sie  selbst:


 ÖKOLOGISCHE GRUNDLAGEN ZUR GRÜNORDNUNGSPLANUNG
ROHRER WEG /STUTTGART MÖHRINGEN

Auftraggeber: Amt für Umweltschutz, Stuttgart
Verfasserin: Dipl.rer.hort.Inge Maass
 

    3.2.1. Streuobstwiese am Rohrer Weg / Bestand
    Anzahl Obstbäume umfasst 874 Bäume.

    3.3. FLORA UND VEGETATION (BLÜTENPFLANZEN)
    3.3.1.Bestand Flora (gesamt)

    Gesamtartenzahl

    Im Untersuchungsgebiet wurden insges. 230 Blütenpflanzen (incl.Gehölze) notiert. Davon sind 17 Arten mit großer Wahrscheinlichkeit angepflanzt oder ausgesät.

    Für das Stadtgebiet Stuttgarts können als relativ selten eingestuft werden (vgl. Flora Stuttgart, Seybold 1969; Stadtbiotopkartierung, Kunick 1983) u.a. :
    Impatiens glandulifera
    Silene noctiflora
    Chenopodium glaucum
    Euphorbia exigua
    Rhinanthus serotinus

 

    3.4.3.Empfehlungen

    Um einen sicheren Schutz zu gewährleisten, muß der gesamte Streuobstbestand in seiner jetzigen Größe erhalten bleiben. Schon geringfügige Eingriffe können wesentliche nachteilige Veränderungen der Standortsverhältnisse zur  Folge haben. Eine Bewirtschaftung im bisher üblichen Rahmen ist für den Erhalt ausreichend. weitere Pflegerichtlinien,  insbes. Eingriffe, die unbedingt unterbleiben sollten, sind im Gutachten Prübling (NEBEL,M. 1990) aufgeführt.
    Es wird vorgeschlagen, das Streuobstgebiet Rohrer Weg als NSG auszuweisen.

 

    3.5.1. Bestand Avifauna

    Artenzahl:
    Die Gesamtartenzahl (Brutvögel BV) liegt in den Untersuchungsjahren 1986 bis 1990 zwischen 26 und 31

    Artenzusammensetzung:
    Die Brutvogelwelt des Untersuchungsgebiets setzt sich -entsprechend den verschiedenen Biotoptypenkomplexen - aus 4 Vogelgemeinschaften zusammen:

    Gruppe der Streuobstwiesen

    Sie ist charakterisiert u.a. durch insektenfressende, anspruchsvolle Höhlen und Halbhöhlenbrüter wie Gartenrotschwanz, Buntspecht, Wendehals, Grauschnäpper, Kleiber, Gartenbaumläufer und Sumpfmeise.

    Diese Gruppe ist noch sehr artenreich, aber individuenarm vertreten.

    Der Vergleich der beiden Streuobstwiesen "Rohrer Weg" und bei den “Breitäckern" (südl. Straßenbahndepot) zeigt,  daß bestimmte Charakterarten dieses Biotoptyps aufgrund ihrer Revieransprüche oder ihrer Störungsempfindlichkeit auf Mindestareale angewiesen sind. Werden diese unterschritten, so fallen bestimmte Arten aus.

    Die große Zahl der Gäste (40 Arten, im Vergleich zu nur 32 im Greutter Wald und 19 am Birkacher Osthang) belegt die außerordentliche Bedeutung der Streuobstwiese als Nahrungsgebiet.

 

    Seltene Arten:

    Nachgewiesen wurde (1989/90) das Brutvogelvorkommen von:
    Wendehals (RL Ba-Wü 3 )  1 Brut.verdacht Streuobstw. Rohrer Weg

 

    Für Stuttgart selten sind:

    Feldlerche (RL stuttg. 3)               4 Paare
    Gartenrotschwanz (RL stuttg.2)     2 P.
    Goldammer (RL stuttg. 3)            10 P.
    Sumpfrohrsänger                          1 P.
    Als Gäste wurden insges. 5 RL-Arten nachgewiesen.

 

    3.5.4.Empfehlungen Avifauna

    Aufgrund der derzeitigen Funktion als seltener Vogelbiotop im Stuttgarter Stadtgebiet und der Ausstattung ist die Streuobstfläche am Rohrer Weg schutzwürdig. Eine Ausweisung als NSG wird empfohlen. Durch Pflege und Sicherungsmaßnahmen (Erhalt des Höhlenbestandes, abgestufte Wiesenmahd, Biozidverbot, Auflagen zur  Erholungsnutzung wie Betretungsverbot und Leinenzwang während der Brutzeit) kann der aktuelle Bestand erhalten werden. Aufgrund der geringen Flächengröße und der isolierten Lage kann das Artenspektrum jedoch kaum  erweitert werden.

 

    3.6 Laufkäfer und xylobionte Käfer

    3.6.2.Bewertung Gesamtgebiet

    Im Vergleich mit anderen, ähnlich strukturierten Gebieten hebt sich das Untersuchungsgebiet deutlich durch höhere  Artenzahlen, durch einen höheren Anteil spezifischer Arten, die nur hier vorkommen, und durch einige Seltenheiten und geschützte Arten ab.

 

     3.7. STECHIMMEN (WILDBIENEN UND WESPEN)

    Artenzahl:
    Insgesamt wurden 74 Wildbienen und Wespen nachgewiesen:
    Wildbienen      51, das entspricht 12% der Fauna von Ba-Wü (100% =429 Arten)
    Grabwespen      17, das sind 8% der Fauna von Ba-Wü (100% = 213 Arten).
    Falten und Wegwespen 6

    Seltene Arten:

    7 (davon 6 RL-Arten)
    Wollbiene, Seidenbiene, Blattschneiderbiene, Hornisse, Wegwespe

 

    3.9. TAGFALTER, WIDDERCHEN

    3.9.1.Bestand Tagfalter, Widderchen

    Artenzahl:
    Es wurden 18 Arten nachgewiesen.
    Die vergleichsweise hohe Artenzahl für so ein kleines Gebiet im Filderraum...

 

    4.GESAMTBEWERTUNG

     4.1. WERTVOLLE TEILFLÄCHEN UND BIOTOPE

    Aufgrund der Kriterien zum Biotopwert wie Alter / Unersetzlichkeit, Repräsentativität, Flächengröße und Lagewert,  strukturreichtum und Hemerobie (Grad des menschlichen Kultureinflusses) und den Kriterien zum Artenbestand wie Lebensraumqualität (Vollebensraum, Teillebensraum), Vorkommen landschaftstypischer, hochspezialisierter,  seltener/gefährdeter Arten und Artenreichtum (Artenzahl und Individuenzahl) ergeben sich für die Teilflächen folgende Gesamtbewertungl Rangfolge:

    I Streuobstwiese am Rohrerweg

     Def.:benötigt bezogen auf Menschenleben sehr lange Zeiträume, um sich zu differenzieren und beherbergt viele hochspezialisierte spezifische Arten.

 

    Unersetzlicher Lebensraum:

    Die Streuobstwiese am Rohrer Weg ist der einzige landschaftstypische ältere (ca. 100 Jahre alt.) Biotoptyp, der  aufgrund der Größe der Fläche und länger anhaltender, gleichbleibend extensiver Nutzung (geringer Hemerobiegrad)  sich soweit ausdifferenzieren konnte, dass er aktuell hochspezialisierte oder spezifische Arten und gefährdete (d.h. RL Arten) beherbergt, die nur hier vorkommen (Moose, Vögel, xylobionte Käfer, Stechimmen).

    Aufgrund des Alters und seiner Lage am Stuttgarter Stadtrand kann dieser Biotop als unersetzlich eingeschätzt werden.

 

    4.2. INTEGRIERTE BEWERTUNG DER STREUOBSTWIESE AM ROHRER WEG

    Die Streuobstwiese am Rohrer Weg ist im regionalen, gesamtstädtischen Vergleich und im Vergleich mit den anderen Teilflächen des Untersuchungsgebiets von herausragender Bedeutung. Durch den Vergleich mit den vier anderen in  Stuttgart noch verbleibenden Streuobstwiesen ähnlicher Grösse und Ausstattung konnte nachgewiesen werden, dass das Streuobstgebiet am Rohrer Weg in verschiedener Hinsicht gleiche Qualitäten wie beiden Naturschutzgebiete  Greutterwald und Plieninger Heidäcker aufweist, obwohl die Fläche geringer ist und die Lage isoliert.

 

    6.2.EMPFEHLUNGEN ZU: STREUOBSTWIESE ROHRER WEG/ BAUGEBIET

    6.2.1.Naturschutz (Biotop und Artenschutz)

    Aus der Sicht der Artengruppen Moose, Vögel, Laufkäfer und Wildbienen ist die gesamte Fläche der Streuobstwiese  am Rohrer Weg naturschutzwürdig.