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Stuttgarter Wochenblatt vom 09.01.2003: Übergabe der Unterschriften MÖHRINGEN - Die Bürgerinitiative gegen die Zerstörung der Streuobstwiesen und Felder am Rohrer Weg hat dem Regierungspräsidenten Udo Andriof im Dezember vergangenen Jahres im Regierungspräsidium 4.095 Unterschriften gegen die Bebauung am Rohrer Weg überreicht. In einem ausführlichen Gespräch sei es möglich gewesen, die Argumente zur Bewahrung einer lebenswerten Heimat in Möhringen auch für die Zukunft darzulegen, so Norbert Michel von der Bürgerinitiative. “Nach wie vor hat sich der Regierungspräsident für einen Erhalt der Streuobstwiesen ausgesprochen." Sowohl die Bürgerinitiative als auch der Nabu sammeln auch weiterhin Unterschriften. Zurück zur Pressespiegel-Übersicht Filder-Zeitung von 07.02.2003 Protest gegen Baupläne erneuert
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STUTTGARTER NACHRICHTEN von 07.02.2003 Protestnote an den OB 4100 Unterschriften haben Gegner des seit Jahrzehnten diskutierten Wohnbaugebiets Rohrer Weg/Udamstraße in Möhringen am Donnerstag vor der Gemeinderatssitzung im Geno-Haus an OB Schuster übergeben. VON GERT FACH Die Bürgerinitiative Rohrer Weg wendet sich gegen die Zerstörung der Streuobstwiesen und Felder am Rohrer Weg. Sie bittet den OB um Unterstützung in ihrem Kampf gegen jegliche Baupläne in diesem Naherho lungsgebiet mit einer der letzten großen Streuobstwiesen. Diese bilde mit den umliegenden Feldern auch ein wichtiges Gebiet für die Entstehung von Frischluft. Die Gegner halten Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in eine wertvolle Landschaft nicht für möglich und befürchten in den von einer Mehrheit des Gemeinderats verfolgten Bauplänen “einen nie wieder gut zumachenden Schaden an Mensch und Umwelt". In einem Brief an den OB heißt es: “Aus diesem Grund appellieren wir an Ihre Verantwortung gegenüber künftigen Generationen." Eine Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP hält eine Bebauung dort dennoch für möglich (Platz für bis zu 1000 Einwohner). Wie dies als Kompromiss möglich wäre, wird im Stadtplanungsamt seit Mona ten in Varianten untersucht. Das Ziel dürfte ein Fortführungsentscheid im laufenden Bebauungsplanverfahren sein. Einen Termin dafür konnte Rainer Wißler, für die Filder zuständiger Stadtplaner, am Donnerstag noch nicht nennen. Zurück zur Pressespiegel-Übersicht
Stuttgarter Wochenblatt vom 18.06.2003 V steht für “Verbesserte weidenblättrige Herbstbirne” Den Nutzen von Streuobstwiesen zeigt das neu eröffnete Natur-Info-Center in der Wilhelma ROHR / BAD CANNSTATT-,Werden die Streuobstwiesen bebaut, wird eine wichtige Frischluftschneise für die Stadt beeinträchtigt." Immer wieder mussten Bürgerinitiativen, Ortsverbände und Parteien aller Coleur dieses Hauptargument gegen eine drohende Bebauung von Streuobstwiesen anbringen. Bisher mit Erfolg: Das Gebiet am Rohrer Weg zwischen Mlöhringen und Vaihingen beispielsweise blieb bisher von einer möglichen Wohnsiedlung verschont. Doch was hätte es für konkrete Folgen, wenn in das Biotop “Streuobstwiese” eingegriffen würde? “Streuobstwiesen sind für viele Pflanzen und Tierarten lebenserhaltende Räume in der intensiv genutzten Feldflur", sagt Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Nutzflächen hätten Streuobstwiesen oft keine Lobby. Trotzdiem sieht er diese Naturräume als identitätsstiftend für eine Stadt, ihre Bezirke und ihre Umgebung an: “Sie gelten als weicher Standortfaktor." Zusammen mit der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg wurde im zoologisch-botanischen Garten der Wilhelma vor kurzem ein Natur-Info-Center eröffnet. “Wir wollen mit der ,Erlebniswelt Streuobstwiesen' dazu anregen, Streuobstwiesen vor der Haustür mit allen Sinnen zu erkunden", erläutert Karin Blessing, stellvertretende Akademieleiterin, die Einrichtung der interaktiven Ausstellung. Kröte im Zoo Eine Kröte thront mit betont gelangweilter Mine zwischen Grashalmen, gut geschützt durch eine Wurzel. Nur nicht die Beute erschrecken. Und auf keinen Fall bewegen. Doch plötzlich taucht der Störenfried Ringelnatter im Zoom vor dem mit Plexiglas abgeschirmten Tierpräparaten auf. Droht Gefahr? Eine Kamera präsentiert die Bewohner von Streuobstwiesen in Großformat, wobei es sich allerdings im Natur-info-Center nur um eine kleine Auswahl handelt. Tatsächlich wurden bereits 320 Tierarten in einer extensiv genutzten Obstwiese nachgewiesen. “Eine wichtige Umgebung ist hier auch für den Vogelzug gegeben", sagt Ulrich Kohler vom Natur-Info-Center. Buchfinken, Wacholderdrosseln, Neuntöter, Bunt- oder Grünspechte, aber auch seltene Arten wie der Wendehals ziehen hier ihre Jungen auf. Bis zu 450 Pflanzenarten sind in der Streuobstwiese beherbergt. Grund für die hohe Artenvielfalt ist der sich selbst überlassene, wenig arbeiteintensive und deshalb sich selbst tragende Lebensraum, in dem Tiere und Pflanzen ungestört leben und vegetieren können. Streuobstwiesen haben eine Tradition, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. In Stuttgart wurde die Wirtschaftsform auf schweren Böden und steilen Hängen angewendet. Die Bäume wurden nur alle Jahre geschnitten, die Wiese zweimal im Jahr gemäht. Vieh wurde als natürliche Rasenmäher eingesetzt. Das Gras war billiges Futter. Imker nutzen die Obstwiesen heute immer noch, um Bienenstöcke aufzustellen. Das Holz der Obstbäume ist in der Möbel- und Musikinstrumentenbau sehr gefragt. Wie sehr dieser ökologische Wertbestand verkannt worden ist, zeigt eine Statistik der Stiftung von Naturschutzfonds. Von 660 000 Hektar im Jahr 1934 ist Baden-Württemberg in den 90er Jahren nur noch ein Drittel der ursprünglich als Streuobstwiesen genutzten Fläche übrig geblieben. Flurbereinigung, anders landwirtschaftlich genutzte Flächen, Gartenanlagen, Freizeitgelände ersetzen die Obstwiese. Fangemeinder Apfelsaft Der Rückgang lässt sich auf die mangelnde Wirtschaftlichkeit zurückführen. Außerdem entspricht der Ertrag aus der Obstwiese nicht immer den einheitlich festgeschriebenen Normen der Europäischen Union. V wie “Verbesserte weidenblättrige Herbstbirne". Der Bildschirm des Apfel- /Birnencomputers zeigt Informationen zum Verbreitungsgebiet, Geschmack und Blütezeit von einigen wenigen, dem Alphabet nach aufgelisteten Sorten. Über 200 gibt es allein in der Bundesrepublik. Dem Stuttgarter Apfelsaft sagt Karin Blessing bereits eine große Fangemeinde nach. Der “Förderkreis Stuttgart Apfelsaft - Ökologischer Streuobstbau in Stuttgart" kümmert sich nicht nur um die vielfältigen Anbauflächen, sondern auch um die Vermarktung der ungespritzten Äpfel. “Das Sammeln von Streuobst ersetzt jeden Gang ins Fitness-Studio", wirbt die Umweltexpertin Blessing. Und ohne Zweifel hat das ständige Aufstehen, Bücken und in die Hocke setzen und die Arbeit im Freien etwas für sich. Doch auch über den “Hochentaster" oder “Freischneider" zur Erleichterung der Arbeit in der Wiese kann der Profi im Natur-Info-Center einen Eindruck bekommen. Dem gemeinen Städter bietet die Ausstellung in jedem Fall einen erweiterten Einblick in einen lebenswichtigen Naturraum fern von Beton und Monokultur. “Die Fledermäuse kommen" am Sonntag, den 29. Juni, ins Natur-Info-Center in der Wilhelma, Nähe des Ausgangs zum Rosensteinpark. Weitere Informationen im Internet unter www.uvm.baden-wuerttemberg.de/akademie. kasch
Das Natur-Info-Center gibt mit interaktiven Medien einen umfassenden Überblick über 320 Tierarten, die in den Streuobstwiese beheimatet sein können. Zurück zur Pressespiegel-Übersicht STUTTGARTER ZEITUNG vom 09.07.2003 Bebauung ohne die Streuobstwiesen Die umstrittene Bebauung der Streuobstwiesen am Rohrer Weg in Möhringen ist vom Tisch. Da sich bisher nur etwa die Hälfte der Grundstückseigentümer des verbleibenden Baugeländes am Umlegungsverfahren beteiligen will, wurden die Konditionen verbessert. Die Stadt will die Streuobstwiesen übernehmen und in Pflege geben. Zurück zur Pressespiegel-Übersicht Filder-Zeitung von 11.07.2003 Alle müssen sich freiwillig umlegen lassen Möhringen. Neue Konditionen sollen den Grundstücksbesitzern am Rohrer Weg die sogenannte freiwillige Umlegung ihrer Parzellen schmackhaft und damit eine Bebauung des Areals im Möhringer Westen möglich machen. Bevor der Stuttgarter Gemeinderat allerdings endgültig über die neuen Vorschläge befindet, soll der Bezirksbeirat gehört werden. Zurück zur Pressespiegel-Übersicht Möhringen Aktuell 08/2003 “Was sagen wir den Enkeln?” Hartnäckig kämpft die Bürgerinitiative Rohrer Weg gegen die Bebauung der Streuobstwiesen. In einem Offenen Brief hat sie OB und Stadträte auf drohende ökologische Verluste hingewiesen.
Die “Bürgerinitiative Rohrer Weg" hat in einem “Offenen Brief” an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und die Stadträte noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, welche Auswirkungen auf die Ökologie des Gebietes und das Wohlbefinden der dort lebenden Menschen auch bei einer Teilbebauung der Streuobstwiesen zu erwarten wären.Bisher haben sich weit mehr als 4000 Bürger und Bürgerinnen gegen eine Bebauung ausgesprochen! Zurück zur Pressespiegel-Übersicht
Möhringer Rundschau vom 16.07.2003 Von Marc Schieferecke Vermutlich, meint Ursula Minges von der Bürgerinitiative gegen die Baupläne für Möhringens Streuobstwiesen, „geht es dem Herrn Föll nur ums Prinzip" (siehe Text unten). Der Herr Föll, Vorname Michael, ist der Chef der CDU-Fraktion im Stuttgarter Rathaus. Und Minges dürfte mit ihrer Vermutung vollkommen richtig liegen. Hier ein Teilchen weg, dort ein Teilchen hin, eines von links oben nach rechts unten verschoben oder vielleicht doch eines von oben rechts nach unten links? Mit Vernunft hat das Gepuzzel auf immer neuen Planvorlagen für das Gebiet am Rohrer Weg nichts mehr zu tun. Es ähnelt nur noch einem Geduldspiel, das lediglich deswegen weiter gespielt wird, weil einer, der eigentlich längst verloren hat, partout nicht verlieren will. Das ist Föll, dessen konservative Mehrheit im Gemeinderat dummerweise die Spielregeln diktiert.
Unterschriften bewirken nichts
STUTTGARTER ZEITUNG vom 23.07.2003 Mehrheit für den Rohrer Weg Der seit Jahren umstrittene Bau neuer Häuser und Wohnungen am Rohrer Weg in Möhringen ist gestern einen Schritt vorangekommen. CDU, Liberale und Freie Wähler billigten mit ihren zehn Stimmen die freiwillige Baulandumlegung. SPD und Grüne votierten mit ihren sechs Stimmen dagegen. Zuvor hatte die Bürgerinitiative Rohrer Weg dem Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) mehr als 5000 Unterschriften überreicht, mit denen gegen die geplante Bebauung protestiert wird. Wie berichtet, befürchten die Gegner den Verlust von Streuobstwiesen und damit einer Fischluftschneise, die ihrer Ansicht nach für die Innenstadt von Bedeutung ist. Stuttgarter Nachrichten vom 23.07.2003 Auch SPD gegen Gebiet Rohrer Weg Amtsblatt vom 31.07.2003 Am Rohrer Weg soll gebaut werden Ausschuss beschließt neues Umlegungsverfahren - Entschädigung für Eigentümer Mit der Änderung der Bedingungen für das Baugebiet am Rohrer Weg in Möhringen sollen noch mehr Besitzer von Grundstücken motiviert werden, an der Umlegung teilzunehmen. Dies hat der Ausschuss für Umwelt und Technik mit der Mehrheit von CDU, Freie Wähler und FDP beschlossen. Nach jahrelangen Bemühungen, die Eigentümer der Grundstücke am Rohrer Weg zu einer freiwilligen Umlegung zu bewegen, hatte der Ausschuss für Bodenordnung 1996 das Umlegungsgebiet um die Streuobstwiesen erweitert und Umlegungsbedingungen verändert. Aber nur 51 Prozent haben einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag unterzeichnet. Jetzt hat der Ausschuss für Umwelt und Technik die Bedingungen erneut verändert. 5000 Unterschriften Vor der Sitzung hatten Vertreter der Bürgerinitiative Rohrer Weg und des Naturschutzbunds rund 5000 Unterschriften gegen die Bebauung des Rohrer Wegs an Städtebaubürgermeister Matthias Hahn überreicht. Harald Beutel
Amtsblatt vom 31.07.2003 Konsolidierung II Grüne: Kaltluftschneisen erhalten Bereits 1994 war beschlossen worden, das Bebauungsplaverfahren für das Gebiet “Am Rohrer Weg” erst dann fortzusetzen, wenn alle Eigentümer einer freiwilligen Umlegung zugestimmt hätten.Wegen der Aussichtlosigkeit alle Zustimmungen zu erlangen, schlug das Amt für Stadterneuerung dann 2001 vor, die Bemühungen um ein freiwilliges Verfahren einzustellen.
Fünf Grundstücksbesitzer verweigern bisher freiwillige Umlegung am Rohrer Weg - Stadt schließt Zwangsumlegung nicht mehr aus
Möhringen. Nach eigenen Angaben ist das Stadtplanungsamt erfolgreich im Bemühen, die Besitzer von Grundstücken am Rohrer Weg dazu zu bewegen, ihr Land für eine Bebauung zur Verfügung zu stellen. Allerdings nicht erfolgreich genug - denn bei einer so genannten freiwilligen Umlegung müssten alle Eigentümer mitmachen. Es gibt aber einige, die sich nicht auf einen Handel einlassen wollen. Etwa 90 Eigentümer wären von einer Umlegung betroffen. Nach Auskunft des Stadtplanungsamts haben bereits vor einigen Monaten 50 von ihnen schriftlich zugesichert, bei der Umlegung mitzuziehen. “Nachdem der Gemeinderat die Konditionen noch einmal verbessert hat, verhandeln wir nun mit den restlichen 40 Grundstücksbesitzern, die bisher noch nicht unterschrieben haben", sagt Volker Stemmler vom Stadt-planungsamt, der das Vorhaben betreut. Die Resonanz sei bisher gut. “Überraschenderweise ist die Bereitschaft inzwischen sehr groß, den Vertrag zu unterschrieben", sagt Stemmler. Zudem dauere das Verfahren noch einige Wochen, vermutlich sogar bis ins neue Jahr, so dass man mit weiteren Zusagen rechnen könne. Dennoch räumt Stemmler ein, “dass es mindestens fünf Leute gibt, die keine Gesprächsbereitschaft erkennen lassen". Das bestätigt auch Heinz Kipfer von der Bürgerinitiative Rohrer Weg: “Wir wissen von einigen Leuten, die definitiv nicht verkaufen werden." Die Bürgerinitiative werde nicht klein beigeben in ihrem Kampf um den Erhalt der Streuobstwiesen am Rohrer Weg. “Im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los", sagt Kipfer. Deshalb hat sich die Initiative kürzlich in einen Verein mit dem Namen “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" umgewandelt und ist laut Kipfer bereits als gemeinnützig anerkannt worden. Die Schutzgemeinschaft will die Besitzer, die ihren Grund nicht an die Stadt verkaufen wollen, aktiv unterstützen. “Wir werden Geld sammeln, diesen Eigentümern ihre Grundstücke teilweise oder ganz abkaufen und den Boden dann dem Reyerhof als landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stellen", sagt Kipfer. Eine zwangsweise Umlegung hält der frisch gebackene Kassierer des Vereins für unwahrscheinlich: “Das hat man in Stuttgart noch nie gemacht. Wir hätten dann das teuerste Baugebiet der Stadt." Beim Stadtplanungsamt will man die amtliche Umlegung nicht ausschließen. Laut Volker Stemmler steht aber noch eine andere Variante im Raum: “Man könnte das Gebiet neu abgrenzen und um die herumbauen, die nicht mitmachen wollen." Ob das allerdings tatsächlich praktikabel wäre, halten andere Planer für fraglich. Simone Fieß Als Verein noch mehr bewegen “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" fordert Bürger zu mehr Initiative auf
MÖHRINGEN - Wunderbar süß schmeckt der selbst gepresste Apfelsaft, ganz ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Die mit einer Handkurbel aus Holz betriebene Presse ist so alt, dass sich auch Norbert Michel nicht erinnern kann, wie viele Jahre die Leihgabe an seinen Vater bereits frisch geerntetes Streuobst entsaftet. Seit dem Spätvormittag steht der Mitbegründer der “Bürgerinitiative Rohrer Weg" im Möhringer Spitalhof hinter dem antiken Gerät. Er verkostet Apfelsaft an die großen und kleinen Möhringer Bürger, die zur Gründungsfeier des Vereins “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" gekommen sind. “Wieviele Interessierte es über den Tag verteilt waren, haben wir nicht genau gezählt, aber es werden einige Hundert gewesen sein", zieht Heinz Kipfer Bilanz. Die aufgestellten Sparschweine konnten bislang nicht geschlachtet und auf ihren Inhalt untersucht werden, aber sie hätten einen satten Eindruck gemacht, schmunzelt das Vereinsmitglied. Die Spendengelder und die Vereinsgründung sehen die “Initiativler" als notwendig an für einen langen Atem im Kampf gegen die Bebauung der Streuobstwiesen am Rohrer Weg. “Als eingetragener gemeinnütziger Verein haben wir ganz andere Möglichkeiten. Wir können Spenden- bescheinigungen ausstellen oder mindestens einmal im Jahr ein solches Fest wie heute an einem öffentlichen Platz ausrichten", nennt Heinz Kipfer zwei Aspekte für die Vereinsgründung. Denn nur durch solche Aktionen gelinge es, Aufmerksamkeit zu erregen und die Bürger auf die Problematik aufmerksam zu machen, die sich aus der Bebauung am Rohrer Weg ergeben würde: Nicht nur rund 3000 verschiedene Tierarten würden ihre Heimat verlieren und 400 Obstbäume fielen der Axt zum Opfer, die Temperaturen in Stuttgarts Innenstadt würden sich um zwei bis drei Grad erhöhen, würde die Frischluftschneise in Möhringen zubetoniert werden. “Jeder kann sich nur zu gut vorstellen, was das bei solchen Sommern wie wir es dieses Jahr erlebt haben, hieße", warnt Margarete Wurm. Als NABU-Mitglied macht sie mit der Schutzgemeinschaft, vormals Bürgerinitiative, seit einem Jahr gemeinsame Sache im Falle “Rohrer Weg". Die Naturschützerin findet es fatal, dass nicht an die Generationen von morgen gedacht würde. Diese müssten zukünftig mit einer Aufheizung der Innenstadt leben. Bei den in den kommenden Jahren von Wetterforschern prophezeiten heißen Sommern, würden die Jugendlichen von heute noch mehr Hitzetode zu beklagen haben, als das bereits in diesem Jahr in Stuttgart der Fall gewesen sei. Die Gemeinderäte hätten derweil nichts besseres zu tun, als politische und keine fachlichen Entscheidungen zu treffen. “Die tragen alle einen Maulkorb, denn die Gutachten vom Amt für Umweltschutz, die den Rohrer Weg als schützenswertes Gebiet ausweisen, sind den Stadträten sehr wohl bekannt", betont Marga-rete Wurm. Bürgerinnen und Bürgern, die resigniert reagieren und ihr auf den Kopf zu sagen würden “ihr erreicht doch sowieso nichts, im Juli hat der UTA der Zerstörung der Streuobstwiesen doch schon zugestimmt", hält sie deshalb entgegen, dass nächstes Jahr die Gemeinderatswahlen und die Oberbürgermeisterwahl anstünden. “Die wollen alle wiedergewählt werden", sagt Margarete Wurm. “Sind ihre Wähler gegen die Bebauung und bringen dies durch weitere Unterschriftenaktionen und offene Briefe, wie jüngst mit der Überschrift ,Möhringen wählt' direkt an den OB und die Stadträte adressiert, zum Ausdruck, dann kann die Öffentlichkeit sehr wohl Druck ausüben und die Entscheidung beeinflussen", ist die Natur- schützerin überzeugt. Hinsichtlich einer Wiederwahl könne es sich ihrer Meinung nach Finanz- bürgermeister Michael Föll (CDU) nicht mehr leisten, der Subventionierung der Bebauung mit 1,4 Millionen Euro aus Steuergeldern zuzustimmen. Dieser Meinung ist auch Stadträtin Abt (SPD), die es sich auf dem Nachhauseweg von den Haushaltsdebatten im Gemeinderat nicht nehmen ließ, im Spitalhof vorbeizuschauen. Einstimmig hätten die Gemeinderäte der SPD-Fraktion die Herausnahme der Gelder beschlossen, mit denen die Bauunwilligen Gründstücksbesitzer am Rohrer Weg gekauft werden sollen, verkündete sie. Die Fraktion schlage statt dessen eine Bebauung um den Möhringer Bahnhof vor, schon allein wegen der guten Verkehrsanbindung, denn egal, ob die Einwohnerzahlen in Möhringen steigen oder nicht, wären sie dazu angehalten, 2000 Wohneinheiten zusätzlich zu schaffen, schildert Abt ein Absurdum der Stadtpolitik und betont: “Wir werden unseren Antrag auf Erhalt der Streuobstwiesen in die Beratungen, die am 18. Dezember abgeschlossen sein werden, einbringen."
Offener Brief an OB gegen Bebauung am Rohrer Weg Möhringen (sf). Die Schutzgemeinschaft, die sich gegen die Bebauung der Streuobst-wiesen am Rohrer Weg in. Möhringen einsetzt, hat sich in einem offenen Brief an den Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gewandt. Darin fordert die Schutz gemeinschaft den OB unter anderem auf, sich für den Erhalt der Wiesen und Felder ein-zusetzen, die Landwirte zu unterstützen und das Gebiet am Rohrer Weg als intakten Natur- und Naherholungsraum unter besonderen Schutz zu stellen.
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