Stuttgarter Wochenblatt vom 09.01.2003:

    Übergabe der Unterschriften

    MÖHRINGEN - Die Bürgerinitiative gegen die Zerstörung der Streuobstwiesen und Felder am  Rohrer Weg hat dem Regierungspräsidenten Udo Andriof im Dezember vergangenen Jahres im Regierungspräsidium 4.095 Unterschriften gegen die Bebauung am Rohrer Weg überreicht. In  einem ausführlichen Gespräch sei es möglich gewesen, die Argumente zur Bewahrung einer lebenswerten Heimat in Möhringen auch für die Zukunft darzulegen, so Norbert Michel von  der Bürgerinitiative. “Nach wie vor hat sich der Regierungspräsident für einen Erhalt der Streuobstwiesen ausgesprochen." Sowohl die Bürgerinitiative als auch der Nabu sammeln auch weiterhin Unterschriften.

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    Filder-Zeitung von 07.02.2003

    Protest gegen Baupläne erneuert

     


    Möhringen (bra). Die Bürgerinitiative “Rettet die Streuobstwiesen am Rohrer Weg" bleibt am Ball. Nachdem Regierungspräsident Udo Andriof bereits mehrfach erklärt hat, dass seine Behörde einer Bebauung des Areals nördlich  der Rohrer Straße nicht zustimmen werde, dehnen die Anwohner ihren Protest nun auch auf den geplanten Wohnungsbau auf den südlich gelegenen Feldern aus. Vertreter der Initiative übergaben gestern eine  Unterschriftenliste mit weiteren 4100 Namen an OB Wolfgang Schuster (zweiter von rechts). Sie befürchten “nicht  kompensierbare klimatische Auswirkungen" auf Möhringen und den Stuttgarter Talkessel, falls das Bauprojekt im  Möhringer Westen realisiert wird. CDU, FDP und Freie Wähler im Gemeinderat plädieren dafür, den Bau von rund 300  Wohneinheiten am Westrand von Möhringen zu ermöglichen, um die Wohnungsnot in Stuttgart zu lindem. Schuster sagte zu, der Gemeinderat werde sich mit dem Thema eingehend befassen.          Foto: Bergmann

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     STUTTGARTER NACHRICHTEN von 07.02.2003

    Protestnote an den OB

     Gegner des Baugebiets Rohrer Weg kämpfen weiter

     4100 Unterschriften haben Gegner des seit Jahrzehnten diskutierten Wohnbaugebiets Rohrer Weg/Udamstraße in Möhringen am Donnerstag vor der Gemeinderatssitzung im Geno-Haus an OB Schuster übergeben.

    VON GERT FACH

    Die Bürgerinitiative Rohrer Weg wendet sich gegen die Zerstörung der Streuobstwiesen und  Felder am Rohrer Weg. Sie bittet den OB um Unterstützung in ihrem Kampf gegen jegliche Baupläne in diesem Naherho lungsgebiet mit einer der letzten großen Streuobstwiesen. Diese  bilde mit den umliegenden Feldern auch ein wichtiges Gebiet für die Entstehung von Frischluft. Die Gegner halten Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in eine wertvolle Landschaft nicht für  möglich und befürchten in den von einer Mehrheit des Gemeinderats verfolgten Bauplänen “einen nie wieder gut zumachenden Schaden an Mensch und Umwelt". In einem Brief an den  OB heißt es: “Aus diesem Grund appellieren wir an Ihre Verantwortung gegenüber künftigen Generationen." Eine Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP hält eine Bebauung dort  dennoch für möglich (Platz für bis zu 1000 Einwohner). Wie dies als Kompromiss möglich wäre, wird im Stadtplanungsamt seit Mona ten in Varianten untersucht. Das Ziel dürfte ein  Fortführungsentscheid im laufenden Bebauungsplanverfahren sein. Einen Termin dafür konnte Rainer Wißler, für die Filder zuständiger Stadtplaner, am Donnerstag noch nicht nennen.

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     Stuttgarter Wochenblatt vom 18.06.2003

    V steht für “Verbesserte weidenblättrige Herbstbirne”

    Den Nutzen von Streuobstwiesen zeigt das neu eröffnete Natur-Info-Center in der Wilhelma

    ROHR / BAD CANNSTATT-,Werden die Streuobstwiesen bebaut, wird eine wichtige Frischluftschneise für die Stadt beeinträchtigt." Immer wieder mussten Bürgerinitiativen, Ortsverbände und Parteien aller Coleur dieses Hauptargument gegen eine drohende Bebauung von Streuobstwiesen anbringen. Bisher mit Erfolg: Das Gebiet am Rohrer Weg zwischen Mlöhringen und Vaihingen beispielsweise blieb bisher von einer möglichen Wohnsiedlung verschont. Doch was hätte es für konkrete Folgen, wenn in das Biotop “Streuobstwiese” eingegriffen würde?

     “Streuobstwiesen sind für viele Pflanzen und Tierarten lebenserhaltende Räume in der intensiv genutzten Feldflur", sagt Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Nutzflächen hätten Streuobstwiesen oft keine Lobby. Trotzdiem sieht er diese Naturräume als identitätsstiftend für eine Stadt, ihre Bezirke und ihre Umgebung an: “Sie gelten als weicher Standortfaktor."

    Zusammen mit der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg wurde im zoologisch-botanischen Garten der Wilhelma vor kurzem ein Natur-Info-Center eröffnet. “Wir wollen mit der ,Erlebniswelt Streuobstwiesen' dazu anregen, Streuobstwiesen vor der Haustür mit allen Sinnen zu erkunden", erläutert Karin Blessing, stellvertretende Akademieleiterin, die Einrichtung der interaktiven Ausstellung.

    Kröte im Zoo

    Eine Kröte thront mit betont gelangweilter Mine zwischen Grashalmen, gut geschützt durch eine Wurzel. Nur nicht die Beute erschrecken. Und auf keinen Fall bewegen. Doch plötzlich taucht der Störenfried Ringelnatter im Zoom vor dem mit Plexiglas abgeschirmten Tierpräparaten auf. Droht Gefahr?

    Eine Kamera präsentiert die Bewohner von Streuobstwiesen in Großformat, wobei es sich allerdings im Natur-info-Center nur um eine kleine Auswahl handelt. Tatsächlich wurden bereits 320 Tierarten in einer extensiv genutzten Obstwiese nachgewiesen.

    “Eine wichtige Umgebung ist hier auch für den Vogelzug gegeben", sagt Ulrich Kohler vom Natur-Info-Center. Buchfinken, Wacholderdrosseln, Neuntöter, Bunt- oder Grünspechte, aber auch seltene Arten wie der Wendehals ziehen hier ihre Jungen auf. Bis zu 450 Pflanzenarten sind in der Streuobstwiese beherbergt. Grund für die hohe Artenvielfalt ist der sich selbst überlassene, wenig arbeiteintensive und deshalb sich selbst tragende Lebensraum, in dem Tiere und Pflanzen ungestört leben und vegetieren können.

    Streuobstwiesen haben eine Tradition, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. In Stuttgart wurde die Wirtschaftsform auf schweren Böden und steilen Hängen angewendet. Die Bäume wurden nur alle Jahre geschnitten, die Wiese zweimal im Jahr gemäht. Vieh wurde als natürliche Rasenmäher eingesetzt. Das Gras war billiges Futter. Imker nutzen die Obstwiesen heute immer noch, um Bienenstöcke aufzustellen. Das Holz der Obstbäume ist in der Möbel- und Musikinstrumentenbau sehr gefragt.

    Wie sehr dieser ökologische Wertbestand verkannt worden ist, zeigt eine Statistik der Stiftung von Naturschutzfonds. Von 660 000 Hektar im Jahr 1934 ist Baden-Württemberg in den 90er Jahren nur noch ein Drittel der ursprünglich als Streuobstwiesen genutzten Fläche übrig geblieben. Flurbereinigung, anders landwirtschaftlich genutzte Flächen, Gartenanlagen, Freizeitgelände ersetzen die Obstwiese.

    Fangemeinder Apfelsaft

    Der Rückgang lässt sich auf die mangelnde Wirtschaftlichkeit zurückführen. Außerdem entspricht der Ertrag aus der Obstwiese nicht immer den einheitlich festgeschriebenen Normen der Europäischen Union.

    V wie “Verbesserte weidenblättrige Herbstbirne". Der Bildschirm des Apfel- /Birnencomputers zeigt Informationen zum Verbreitungsgebiet, Geschmack und Blütezeit von einigen wenigen, dem Alphabet nach aufgelisteten Sorten. Über 200 gibt es allein in der Bundesrepublik.

    Dem Stuttgarter Apfelsaft sagt Karin Blessing bereits eine große Fangemeinde nach. Der “Förderkreis Stuttgart Apfelsaft - Ökologischer Streuobstbau in Stuttgart" kümmert sich nicht nur um die vielfältigen Anbauflächen, sondern auch um die Vermarktung der ungespritzten Äpfel.

    “Das Sammeln von Streuobst ersetzt jeden Gang ins Fitness-Studio", wirbt die Umweltexpertin Blessing. Und ohne Zweifel hat das ständige Aufstehen, Bücken und in die Hocke setzen und die Arbeit im Freien etwas für sich.

    Doch auch über den “Hochentaster" oder “Freischneider" zur Erleichterung der Arbeit in der Wiese kann der Profi im Natur-Info-Center einen Eindruck bekommen. Dem gemeinen Städter bietet die Ausstellung in jedem Fall einen erweiterten Einblick in einen lebenswichtigen Naturraum fern von Beton und Monokultur.

    “Die Fledermäuse kommen" am Sonntag, den 29. Juni, ins Natur-Info-Center in der Wilhelma, Nähe des Ausgangs zum Rosensteinpark. Weitere Informationen im Internet unter www.uvm.baden-wuerttemberg.de/akademie.                                               kasch

     

    Das Natur-Info-Center gibt mit interaktiven Medien einen umfassenden Überblick über 320 Tierarten, die in den Streuobstwiese beheimatet sein können.

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    STUTTGARTER ZEITUNG vom 09.07.2003

    Bebauung ohne die Streuobstwiesen

    Die umstrittene Bebauung der Streuobstwiesen am Rohrer Weg in Möhringen ist vom Tisch. Da sich bisher nur etwa die Hälfte der Grundstückseigentümer des verbleibenden Baugeländes am Umlegungsverfahren beteiligen will, wurden die Konditionen verbessert. Die Stadt will die Streuobstwiesen übernehmen und in Pflege geben.
    Helga Vetter von der CDU war angetan von der jetzt vorgeschlagenen Lösung: „Darin können sich jetzt alle Eigentümer wiederfinden." Das sehen nicht alle Fraktionen so. Die Grünen sind weiter gegen die Bebauung. Doris Peppler-Kelka sagte, es gehe nicht nur um die aus dem Bebauungsplan genommenen 2,5 Hektar Obstwiesen, tatsächlich seien es 5,4 Hektar. Ursula Marx kritisierte, dass die Stadt für die Streuobstwiesen 700000 Euro ausgebe, was bei der aktuellen Haushaltslage nicht akzeptabel sei. Rainer Kußmaul erinnerte daran, dass „die CDU das ganze Gebiet platt machen wollte", was Regierungspräsident Andriof vereitelt habe.
    Neben einem Beitrag von 30 Prozent ihrer Baufläche, den die Eigentümer für Verkehrs- und Grünflächen abtreten sollen, werden diese nach dem jetzigen Konzept nun für den 20-prozentigen Sozialbeitrag mit 100 Euro pro Quadratmeter entschädigt. Die Entscheidung darüber soll am 22. Juli fallen. ury
     

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    Filder-Zeitung von 11.07.2003

    Alle müssen sich freiwillig umlegen lassen

    Stadt legt Kompromisspapier im Streit um die geplante Bebauung im Möhringer Westen vor

    Möhringen. Neue Konditionen sollen den Grundstücksbesitzern am Rohrer Weg die sogenannte freiwillige Umlegung ihrer Parzellen schmackhaft und damit eine Bebauung des Areals im Möhringer Westen möglich machen. Bevor der Stuttgarter Gemeinderat allerdings endgültig über die neuen Vorschläge befindet, soll der Bezirksbeirat gehört werden.
    Die Vorlage, die am vergangenen Dienstag dem Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats präsentiert wurde, läuft auf einen Kompromiss hinaus, der auch den Interessen jener Eigentümer Rechnung tragen soll, deren Grundstücke in den Streuobstwiesen nördlich der Rohrer Straße liegen. Gegen die Bebauung dieses Areals waren in den vergangenen Monaten Umweltschützer und Anwohner Sturm gelaufen.
    Die neue Regelung sieht vor, dass alle Eigentümer der Flächen im Möhringer Westen die Hälfte (bisher nur 45 Prozent) der von ihnen eingebrachten Fläche als Bauplatz zugeteilt bekommen. Jene Grundstücksbesitzer, deren Parzellen innerhalb des im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche ausgewiesenen Gebiets liegen, werden für ihren 20-prozentigen Flächenbeitrag für Gemeinbedarfsfläche in dem neuen Wohnquartier mit 100 Euro pro Quadratmeter entschädigt. Dafür muss die Stadt insgesamt 1.4 Millionen Euro aufwenden.
    Im Gegenzug bleiben rund 50 Prozent der insgesamt 5,4 Hektar Streuobstwiesen nördlich der Rohrer Straße von der Bebauung verschont und gehen in den Besitz der Stadt über - Wert: 700000 Euro. Diese Grundstücke will die Stadt zur Pflege weiterverpachten. Jene Eigentümer, deren Grundstücke in diesem von der Bebauung ausgenommenen Bereich im Landschaftsschutzgebiet liegen, erhalten zwar ebenfalls die Hälfte der ihnen gehörenden Fläche als Bauland zugewiesen, werden aber nicht in der oben genannten Weise entschädigt, da sie keinen Rechtsanspruch auf einen Bauplatz haben. Weiterhin gilt: Alle Grundstücksbesitzer müssen sich mit einer freiwilligen Umlegung einverstanden erklären.
    Während die CDU-Mehrheit im Gemeinderat der Ansicht ist, mit dieser Lösung allen Eigentümern gerecht zu werden, gibt es bei SPD und Grünen weiterhin Vorbehalte. Grünen-Stadträtin Ursula Marx kritisierte, dass immerhin die Hälfte der Obstbäume dem Wohnungsbau zum Opfer falle. Gisela Abt (SPD) begrüßte zwar das Kompromisspapier der Verwaltung, zeigte sich aber zugleich skeptisch, ob alle Grundstücksbesitzer der  Vereinbarung zustimmen werden. Ähnlich geteilt sind die Meinungen bei Eigentümern und Anwohnern, Joachim Wenzelburger, einer der betroffenen Eigentümer im Streuobstwiesengebiet, meinte, der „Gordische Knoten" sei durchschlagen. Ausdrücklich lobte Wenzelburger, dass die Stadt Geld in die Hand nimmt, um wenigstens einen Teil der Streuobstwiesen zu erhalten: „Das ist praktizierter Umweltschutz, der nicht auf dem Rücken von uns Eigentümern ausgetragen wird."
    Ganz anders dagegen die Reaktion eines Sprechers der Bürgerinitiative „Rettet die Streuobstwiesen": Heinz Kipfer will sich auch weiterhin gegen das Abholzen eines Teils der Obstbäume zur Wehr setzen. Auf dem Möhringer Kinderfest am kommenden Wochenende will die Initiative mit Plakaten und Flugblättern mobilisieren. Zudem soll in "der nächsten Woche eine symbolische Einzäunung der verbleibenden Streuobstwiesen stattfinden, zu der auch die Bezirksbeiräte eingeladen werden.     Thomas Braun
     

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    Möhringen Aktuell  08/2003

    “Was sagen wir den Enkeln?”

    Hartnäckig kämpft die Bürgerinitiative Rohrer Weg gegen die Bebauung der Streuobstwiesen. In einem Offenen Brief hat sie OB und Stadträte auf drohende ökologische Verluste hingewiesen.


    Klaus Grundgeiger

    Die “Bürgerinitiative Rohrer Weg" hat in einem “Offenen Brief” an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und die Stadträte noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, welche Auswirkungen auf die Ökologie des Gebietes und das Wohlbefinden der dort lebenden Menschen auch bei einer Teilbebauung der Streuobstwiesen zu erwarten wären.Bisher haben sich weit mehr als 4000 Bürger und Bürgerinnen gegen eine Bebauung ausgesprochen!
    !In dem Offenen Brief heißt es:“Auch in den Grenzen des bisher gültigen Flächennutzungsplans kann eine Bebauung nicht hingenommen werden!" Die Folge wäre nach Ansicht der Bürgerinitiative die “Vernichtung von ca. der Hälfte des aktuellen Baumbestandes" - nach Angaben der Bürgerinitiative mehr als 450 Bäume, darunter auch “149 Bäume von besonderer ökologischer Bedeutung."
    Bei einer Bebauung würden alle spezifischen Vogelarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz, Gartenbaumläufer und Sumpfmeise verschwinden.  Verantwortlich dafür, so die Bürgerinitiative, “sind die Vernichtung eines Teils des Biotops, der Verlust von Nahrungsplätzen, von Nistmöglichkeiten (Höhlen) und Störungen während des Baubetriebs und auch danach." Was die Stadt als “weitgehenden Erhalt" oder “Schonung" der Streuobstwiese darstelle, bedeute in Wirklichkeit “einen massiven Eingriff in einen Lebensraum, der bislang aufgrund seiner besonderen Struktur u.a. von etlichen geschützten Arten besiedelt ist." Erbost fragen die Bebauungsgegner: “Wiegen hier einmal wieder, entgegen den vielfältigen Bekundungen über Umgang mit Landschaft, private, parteiische und finanzielle Interessen mehr als der Schutz der Natur und das Recht der Bevölkerung auf Erhalt eines intakten Naherholungsraums?" Die Bürgerinitiative fordert von OB und Gemeinderat: “Schauen Sie genau hin und wägen Sie ab. Beurteilen Sie die Argumente Wohnungsnot und Arbeitsplatzsicherung genau. Überprüfen Sie welche Notwendigkeiten angesichts der demographischen Entwicklung und des Leerstandes auf dem Immobilienmarkt tatsächlich bestehen. Lassen Sie Visionen walten. Wir werden spätestens von unseren Enkeln gefragt, was vor der Betonwüste war und warum das nicht zu verhindern gewesen war."
    Platz am Rohrer Weg will die Stadt vor allem für “Wohngebäude des gehobenen Standards" schaffen. Die Voraussetzungen soll eine freiwillige Bodenordnung schaffen. Aber die kommt nicht recht voran. Die Flächen sind weitgehend im Privatbesitz, und wenig mehr als die Hälfte der Eigentümer sind bisher zur Umlegung bereit. Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats hat eine deshalb geplante Modifizierung der Umlegungskonditionen vertagt. Nun soll sich der Möhringer Bezirksbeirat am 16. Juli noch einmal - und zwar öffentlich - ab 18 Uhr im Gemeindesaal von St. Ulrich, Deipweg 12, mit der Angelegenheit beschäftigen. In einer Postkartenaktion wendet sich die Bürgerinititaive vorher noch einmal an die Möhringer Bürger und bittet um Unterstützung.

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    Möhringer Rundschau  vom 16.07.2003

    Von Marc Schieferecke

    Gepuzzel

    Vermutlich, meint Ursula Minges von der Bürgerinitiative gegen die Baupläne für Möhringens Streuobstwiesen, „geht es dem Herrn Föll nur ums Prinzip" (siehe Text unten). Der Herr Föll, Vorname Michael, ist der Chef der CDU-Fraktion im Stuttgarter Rathaus. Und Minges dürfte mit ihrer Vermutung vollkommen richtig liegen. Hier ein Teilchen weg, dort ein Teilchen hin, eines von links oben nach rechts unten verschoben oder vielleicht doch eines von oben rechts nach unten links? Mit Vernunft hat das Gepuzzel auf immer neuen Planvorlagen für das Gebiet am Rohrer Weg nichts mehr zu tun. Es ähnelt nur noch einem Geduldspiel, das lediglich deswegen weiter gespielt wird, weil einer, der eigentlich längst verloren hat, partout nicht verlieren will. Das ist Föll, dessen konservative Mehrheit im Gemeinderat dummerweise die Spielregeln diktiert.
    Die mehr als 4000 Protestunterschriften gegen die Baupläne sind noch das schwächste Argument dafür, dass die Streuobstwiesen Streuobstwiesen bleiben sollen. Der Regierungspräsident Udo Andriof, dessen Behörde wahrlich nicht verdächtig ist, eine hartnäckige Umweltschutzorganisation zu sein, hat unmissverständlich ich klar gemacht, dass die Möhringer Streuobstwiesen kein geeigneter Bauplatz sind. Richtig ist, dass in Stuttgart derzeit Wohnungen wieder  knapp geworden  sind. Ebenso richtig ist allerdings, dass im nächsten Jahrzehnt nach den städtischen Prognosen eher Wohnungsüberschuss als Wohnungsnot herrschen wird - ganz einfach, weil die Stuttgarter immer weniger Kinder zeugen.
    Das eigentliche Totschlagargument gegen die Baupläne ist allerdings: Selbst ein großer Teil derjenigen, die von ihnen profitieren, sind gegen sie. Die Grundstücksbesitzer selbst wollen nicht bauen, jedenfalls die Hälfte von ihnen nicht. Dass sich daran mit dem neuen Angebot   Wesentliches   ändert, scheint unwahrscheinlich. Soviel besser als alles in den vergangenen zehn Jahren Vorgeschlagene ist es nicht. Es bleibt zu hoffen, dass nach einem weiteren vergeblichen Anlauf das Puzzelspiel beendet wird und die Wiese Wiese sein darf. Es bleibt aber zu Befürchten, dass stattdessen erneut die Regeln geändert werden.
     

 


      FILDER-ZEITUNG vom 23.07.2003

       Unterschriften bewirken nichts


      Stuttgart/Möhringen (bra). Auch die Übergabe von 5000 Unterschriften gegen das geplante Wohnbaugebiet am Rohrer Weg an Stuttgarts Baubürgermeister Matthias Hahn (unser Bild) hat nichts mehr genutzt: Der Umwelt- und Technikausschuss hat gestern mit den Stimmen der so genannten bürgerlichen Mehrheit dafür votiert, einen neuen Anlauf zur freiwilligen Umlegung der Grundstücke im Möhringer Westen zu unternehmen. Verbesserte Konditionen sollen die Eigentümer dazu bringen, einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag zu unterschreiben. Sollte das Bodenordnungsverfahren zustande kommen, müssten nach Angaben der Bürgerinitiative „Rohrer Weg“, die sich gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) gegen das Vorhaben wehrt, zirka 400 Obstbäume gefällt werden. Somit werde eine wichtige Kaltluftschneise für den Stuttgarter Talkessel zerstört. Die CDU hat bereits angekündigt, im Fall eines Scheiterns eine amtliche Umlegung zu beantragen.   
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      STUTTGARTER ZEITUNG vom 23.07.2003

      Mehrheit für den Rohrer Weg

      Der seit Jahren umstrittene Bau neuer Häuser und Wohnungen am Rohrer Weg in Möhringen ist gestern einen Schritt vorangekommen. CDU, Liberale und Freie Wähler billigten mit ihren zehn Stimmen die freiwillige Baulandumlegung. SPD und Grüne votierten mit ihren sechs Stimmen dagegen. Zuvor hatte die Bürgerinitiative Rohrer Weg dem Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) mehr als 5000 Unterschriften überreicht, mit denen gegen die geplante Bebauung protestiert wird. Wie berichtet, befürchten die Gegner den Verlust von Streuobstwiesen und damit einer Fischluftschneise, die ihrer Ansicht nach für die Innenstadt von Bedeutung ist.
      Weil bis jetzt nur die Hälfte der Grundstückseigentümer bereit ist, an der freiwilligen Umlegung mitzuwirken, hat die Stadt mit der gestern gebilligten Vorlage die Konditionen verbessert. Für die Grünen handelt es sich dabei allerdings “um die Verschwendung von 1.4 Millionen Euro an Steuergeldern” Die Befürworter indessen sehen darin “einen guten Kompromiss”, so der CDU-Fraktionschef Michael Föll Stuttgart, so Föll, brauche dringend neuen Wohnraum um der Abwanderung entgegenzuwirken. Außerdem habe man die Streuobstwiesen geschont. tom

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      Stuttgarter Nachrichten vom 23.07.2003

      Auch SPD gegen Gebiet Rohrer Weg

      Die Front der Gegner eines Wohngebiets Rohrer Weg in Möhringen ist breiter geworden - aber dank der bürgerlichen Mehrheit im Gemeinderat wird sich an den Plänen im Rathaus trotzdem nichts ändern. Die Grünen waren schon immer vor allem aus ökologischen Gründen dagegen und haben dies am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik bestätigt. Die SPD schloss sich jetzt diesem Votum an. Da zeigt auch Wirkung, was eine Bürgerinitiative der Gegner seit Jahren leistet. Das Ergebnis wurde vor der Sitzung Baubürgermeister Hahn präsentiert: über 5000 Unterschriften gegen die Ausweisung des Wohngebiets, dem Streuobstwiesen weichen müssten. Die Stadträte der CDU berufen sich ebenso wie Freie Wähler und FDP auf die Wohnungsnot.

      Zu beschließen waren am Dienstag neue Konditionen für die freiwillige Baulandumlegung, nachdem zu den bisherigen Konditionen nur 51 Prozent der Eigentümer zugestimmt hatten. Der neue Kurs: 50 Prozent der Einwurfsfläche als Bauplatz; 30 Prozent Beitrag für Verkehrs-, Grün- und Gemeinbedarfsflächen; 20 Prozent Sozialbeitrag in Form von 2,8 Hektar Streuobstwiesen und 0,4 Hektar Bauplatz zu Gunsten der Stadt; dafür 100 Euro pro Quadratmeter Sozialbeitrag an die Besitzer, deren Grundstücke laut Flächennutzungsplan in der künftigen Wohnbaufläche liegen. fac
       

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      Amtsblatt vom 31.07.2003

      Am Rohrer Weg soll gebaut werden

      Ausschuss beschließt neues Umlegungsverfahren - Entschädigung für Eigentümer

      Mit der Änderung der Bedingungen für das Baugebiet am Rohrer Weg in Möhringen sollen noch mehr Besitzer von Grundstücken motiviert werden, an der Umlegung teilzunehmen. Dies hat der Ausschuss für Umwelt und Technik mit der Mehrheit von CDU, Freie Wähler und FDP beschlossen.

      Nach jahrelangen Bemühungen,  die  Eigentümer der Grundstücke am Rohrer Weg zu einer freiwilligen Umlegung zu bewegen, hatte der Ausschuss für Bodenordnung 1996 das Umlegungsgebiet   um   die Streuobstwiesen erweitert und Umlegungsbedingungen verändert. Aber nur 51 Prozent haben einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag unterzeichnet. Jetzt hat der Ausschuss für Umwelt und Technik die Bedingungen erneut verändert.
      Nach den Ferien wird mit den Eigentümern, das Gespräch gesucht und folgendes Angebot gemacht: Sie erhalten 50 Prozent ihrer eingebrachten Flächen als Bauplatz zugeteilt. 30 Prozent der Fläche wird fürStraßen, Wege, Grünflächen und soziale Einrichtungen wie Kindergärten verwendet. Für den Rest, den 20-prozentigen Sozialbeitrag, erhält die Stadt die Obstbaumwiesen, insgesamt 2,8 Hektar. Darüber hinaus werden der Stadt noch 0,4 Hektar als Bauplatzfläche zugeteilt.
      Eigentümer, deren Grundstück   entsprechend   dem Flächennutzungsplan in der künftigen Wohnbaufläche liegen, werden für den Sozialbeitrag mit 100 Euro pro Quadratmeter entschädigt. Dies entspricht 1,4 Millionen Euro.
      Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Michael Föll, sagte, bei der Diskussion um den Rohrer Weg werde ausgeblendet, dass es um den Wohnraumbedarf in Stuttgart gehe. “Wir wollen nicht, dass noch mehr Menschen in die Region oder darüber hinaus abwandern." Ein ausreichendes Wohnungsangebot gehöre genauso wie Ökologie und Klimaschutz zu einer attraktiven Stadt. Der Beschluss sei ein guter Kompromiss. Die Streuobstwiesen könnten als städtische Fläche dauerhaft erhalten werden.
      Gegen die Änderung der Umlegungsbedingungen sprachen sich SPD und Bündnis 90/Die Grünen aus. Gisela Abt (SPD) verwies darauf, dass rund um Möhringen in vielen Bereichen neu gebaut werde oder bestehende Wohnflächen nachverdichtet würden. »Die Bebauung des Rohrer Wegs ist deshalb nicht notwendig." Auch um die Frischluftzufuhr für den Talkessel nicht zu behindern, dürfe dort nicht gebaut werden. An die Adresse der CDU gerichtet sagte sie: “Die Bebauung des Areals wird in Möhringen nicht verstanden."
      Ursula Marx (Bündnis 90/ Die Grünen) monierte, dass die Aufhebung des bisherigen Umlageverfahrens einer Subventionierung der Eigentümer in Höhe von 1,4 Millionen Euro gleichkomme. Es bleibe zu hoffen, dass “sich die bislang fehlenden 49 Prozent Besitzer nicht kaufen lassen". Mit jeder Fläche, die bebaut werde, “verschlimmern wir das Klima in der Stadt".
      Anderer Meinung war Joachim Fahrion (Freie Wähler): “Von den Eigentümern werden 1,4 Millionen Euro weniger abgezockt." In Stuttgart müsse Wohnraum geschaffen werden. So gebe es weniger Pendler und damit weniger Autos auf den Straßen. Günther Willmann (FDP) sagte, die Frage der Frischluft sei zwar schon ein Problem, seine Fraktion stimme aber für die geänderte Umlegung.

      5000 Unterschriften

      Vor der Sitzung hatten Vertreter der Bürgerinitiative Rohrer Weg und des Naturschutzbunds rund 5000 Unterschriften gegen die Bebauung des Rohrer Wegs an Städtebaubürgermeister Matthias Hahn überreicht.     Harald Beutel

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      Amtsblatt vom 31.07.2003

      Konsolidierung II

      Grüne: Kaltluftschneisen erhalten

      Bereits 1994 war beschlossen worden, das Bebauungsplaverfahren für das Gebiet “Am Rohrer Weg” erst dann fortzusetzen, wenn alle Eigentümer einer freiwilligen Umlegung zugestimmt hätten.Wegen der Aussichtlosigkeit alle Zustimmungen zu erlangen, schlug das Amt für Stadterneuerung dann 2001 vor, die Bemühungen um ein freiwilliges Verfahren einzustellen.
      Um nun die verbleibenden verkaufsunwilligen Grundstücksbesitzer am Rohrer Weg doch noch zur Zustimmung zu bewegen, hat die bürgerliche Mehrheit 1,4 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Eine Subvention in Höhe von 1,4 Millionen Euro (100 Euro pro Quadratmeter), damit die Umlegung klappt und bester Filderboden versiegelt werden wird.
      Wie bedeutsam Frischluftentstehungsgebiete   und Kaltluftschneisen für den Talkessel sind, konnte man dieser heißen Tage feststellen: Die Luft in der “Booming City" ist heute schon unerträglich. Je mehr freie Flächen wir in den Höhenlagen zubetonieren, um so heftiger wird die Schwüle in S-Mitte boomen.
      Die Bebauung am Rohrer Weg, einer breiten Schneise zwischen Vaihingen und Möhringen, wird also für die Gesamtstadt große Nachteile bringen. Die Hälfte der letzten Streuobstwiese Vaihingens und Möhringens soll christlich-liberal platt gemacht werden. Ein wichtiges Naherholungsgebiet soll verschwinden. Dafür wollen wir die 1,4 Millionen Euro nicht ausgeben.
       

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      FILDER-ZEITUNG vom 17.10.2003

      “Schutzgemeinschaft" will Protestler finanziell unterstützen

      Fünf Grundstücksbesitzer verweigern bisher freiwillige Umlegung am Rohrer Weg - Stadt schließt Zwangsumlegung nicht mehr aus

      Möhringen.  Nach eigenen Angaben ist das Stadtplanungsamt erfolgreich im Bemühen, die Besitzer von Grundstücken am Rohrer Weg dazu zu bewegen, ihr Land für eine Bebauung zur Verfügung zu stellen. Allerdings nicht erfolgreich genug - denn bei einer so genannten freiwilligen Umlegung müssten alle Eigentümer mitmachen. Es gibt aber einige, die sich nicht auf einen Handel einlassen wollen.

      Etwa 90 Eigentümer wären von einer Umlegung betroffen. Nach Auskunft des Stadtplanungsamts haben bereits vor einigen Monaten 50 von ihnen schriftlich zugesichert, bei der Umlegung mitzuziehen. “Nachdem der Gemeinderat die Konditionen noch einmal verbessert hat, verhandeln wir nun mit den restlichen 40 Grundstücksbesitzern, die bisher noch nicht unterschrieben haben", sagt Volker Stemmler vom Stadt-planungsamt, der das Vorhaben betreut.

      Die Resonanz sei bisher gut. “Überraschenderweise ist die Bereitschaft inzwischen sehr groß, den Vertrag zu unterschrieben", sagt Stemmler. Zudem dauere das Verfahren noch einige Wochen, vermutlich sogar bis ins neue Jahr, so dass man mit weiteren Zusagen rechnen könne.

      Dennoch räumt Stemmler ein, “dass es mindestens fünf Leute gibt, die keine Gesprächsbereitschaft erkennen lassen". Das bestätigt auch Heinz Kipfer von der Bürgerinitiative Rohrer Weg: “Wir wissen von einigen Leuten, die definitiv nicht verkaufen werden." Die Bürgerinitiative werde nicht klein beigeben in ihrem Kampf um den Erhalt der Streuobstwiesen am Rohrer Weg. “Im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los", sagt Kipfer.

      Deshalb hat sich die Initiative kürzlich in einen Verein mit dem Namen “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" umgewandelt und ist laut Kipfer bereits als gemeinnützig anerkannt worden.

      Die Schutzgemeinschaft will die Besitzer, die ihren Grund nicht an die Stadt verkaufen wollen, aktiv unterstützen. “Wir werden Geld sammeln, diesen Eigentümern ihre Grundstücke teilweise oder ganz abkaufen und den Boden dann dem Reyerhof als landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stellen", sagt Kipfer. Eine zwangsweise Umlegung hält der frisch gebackene Kassierer des Vereins für unwahrscheinlich: “Das hat man in Stuttgart noch nie gemacht. Wir hätten dann das teuerste Baugebiet der Stadt."

      Beim Stadtplanungsamt will man die amtliche Umlegung nicht ausschließen. Laut Volker Stemmler steht aber noch eine andere Variante im Raum: “Man könnte das Gebiet neu abgrenzen und um die herumbauen, die nicht mitmachen wollen." Ob das allerdings tatsächlich praktikabel wäre, halten andere Planer für fraglich.   Simone Fieß

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      STUTTGARTER WOCHENBLATT vom 30.10.2003

    Als Verein noch mehr bewegen

    “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" fordert Bürger zu mehr Initiative auf

       

        MÖHRINGEN - Wunderbar süß schmeckt der selbst gepresste Apfelsaft, ganz ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Die mit einer Handkurbel aus Holz betriebene Presse ist so alt, dass sich auch Norbert Michel nicht erinnern kann, wie viele Jahre die Leihgabe an seinen Vater bereits frisch geerntetes Streuobst entsaftet. Seit dem Spätvormittag steht der Mitbegründer der “Bürgerinitiative Rohrer Weg" im Möhringer Spitalhof hinter dem antiken Gerät. Er verkostet Apfelsaft an die großen und kleinen Möhringer Bürger, die zur Gründungsfeier des Vereins “Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" gekommen sind.

        “Wieviele Interessierte es über den Tag verteilt waren, haben wir nicht genau gezählt, aber es werden einige Hundert gewesen sein", zieht Heinz Kipfer Bilanz. Die aufgestellten Sparschweine konnten bislang nicht geschlachtet und auf ihren Inhalt untersucht werden, aber sie hätten einen satten Eindruck gemacht, schmunzelt das Vereinsmitglied.

        Die Spendengelder und die Vereinsgründung sehen die “Initiativler" als notwendig an für einen langen Atem im Kampf gegen die Bebauung der Streuobstwiesen am Rohrer Weg.

        “Als eingetragener gemeinnütziger Verein haben wir ganz andere Möglichkeiten. Wir können Spenden- bescheinigungen ausstellen oder mindestens einmal im Jahr ein solches Fest wie heute an einem öffentlichen Platz ausrichten", nennt Heinz Kipfer zwei Aspekte für die Vereinsgründung. Denn nur durch solche Aktionen gelinge es, Aufmerksamkeit zu erregen und die Bürger auf die Problematik aufmerksam zu machen, die sich aus der Bebauung am Rohrer Weg ergeben würde: Nicht nur rund 3000 verschiedene Tierarten würden ihre Heimat verlieren und 400 Obstbäume fielen der Axt zum Opfer, die Temperaturen in Stuttgarts Innenstadt würden sich um zwei bis drei Grad erhöhen, würde die Frischluftschneise in Möhringen zubetoniert werden. “Jeder kann sich nur zu gut vorstellen, was das bei solchen Sommern wie wir es dieses Jahr erlebt haben, hieße", warnt Margarete Wurm.

        Als NABU-Mitglied macht sie mit der Schutzgemeinschaft, vormals Bürgerinitiative, seit einem Jahr gemeinsame Sache im Falle “Rohrer Weg". Die Naturschützerin findet es fatal, dass nicht an die Generationen von morgen gedacht würde. Diese müssten zukünftig mit einer Aufheizung der Innenstadt leben.

        Bei den in den kommenden Jahren von Wetterforschern prophezeiten heißen Sommern, würden die Jugendlichen von heute noch mehr Hitzetode zu beklagen haben, als das bereits in diesem Jahr in Stuttgart der Fall gewesen sei. Die Gemeinderäte hätten derweil nichts besseres zu tun, als politische und keine fachlichen Entscheidungen zu treffen.

        “Die tragen alle einen Maulkorb, denn die Gutachten vom Amt für Umweltschutz, die den Rohrer Weg als schützenswertes Gebiet ausweisen, sind den Stadträten sehr wohl bekannt", betont Marga-rete Wurm. Bürgerinnen und Bürgern, die resigniert reagieren und ihr auf den Kopf zu sagen würden “ihr erreicht doch sowieso nichts, im Juli hat der UTA der Zerstörung der Streuobstwiesen doch schon zugestimmt", hält sie deshalb entgegen, dass nächstes Jahr die Gemeinderatswahlen und die Oberbürgermeisterwahl anstünden. “Die wollen alle wiedergewählt werden", sagt Margarete Wurm.

        “Sind ihre Wähler gegen die Bebauung und bringen dies durch weitere Unterschriftenaktionen und offene Briefe, wie jüngst mit der Überschrift ,Möhringen wählt' direkt an den OB und die Stadträte adressiert, zum Ausdruck, dann kann die Öffentlichkeit sehr wohl Druck ausüben und die Entscheidung beeinflussen", ist die Natur- schützerin überzeugt. Hinsichtlich einer Wiederwahl könne es sich ihrer Meinung nach Finanz- bürgermeister Michael Föll (CDU) nicht mehr leisten, der Subventionierung der Bebauung mit 1,4 Millionen Euro aus Steuergeldern zuzustimmen.

        Dieser Meinung ist auch Stadträtin Abt (SPD), die es sich auf dem Nachhauseweg von den Haushaltsdebatten im Gemeinderat nicht nehmen ließ, im Spitalhof vorbeizuschauen. Einstimmig hätten die Gemeinderäte der SPD-Fraktion die Herausnahme der Gelder beschlossen, mit denen die Bauunwilligen Gründstücksbesitzer am Rohrer Weg gekauft werden sollen, verkündete sie. Die Fraktion schlage statt dessen eine Bebauung um den Möhringer Bahnhof vor, schon allein wegen der guten Verkehrsanbindung, denn egal, ob die Einwohnerzahlen in Möhringen steigen oder nicht, wären sie dazu angehalten, 2000 Wohneinheiten zusätzlich zu schaffen, schildert Abt ein Absurdum der Stadtpolitik und betont: “Wir werden unseren Antrag auf Erhalt der Streuobstwiesen in die Beratungen, die am 18. Dezember abgeschlossen sein werden, einbringen."

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      FILDER-ZEITUNG vom 31.10.2003

      Offener Brief an OB gegen Bebauung am Rohrer Weg

      Möhringen (sf).  Die Schutzgemeinschaft, die sich gegen die Bebauung der Streuobst-wiesen am Rohrer Weg in. Möhringen einsetzt, hat sich in einem offenen Brief an den Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gewandt. Darin fordert die Schutz gemeinschaft den OB unter anderem auf, sich für den Erhalt der Wiesen und Felder ein-zusetzen, die Landwirte zu unterstützen und das Gebiet am Rohrer Weg als intakten Natur- und Naherholungsraum unter besonderen Schutz zu stellen.

       

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