FILDER-ZEITUNG vom 12.01.2004:

    OB will Zwangsumlegung vermeiden


    Wolfgang Schuster setzt auf gütliche Einigung beim Wohnungsbau am Rohrer Weg in Möhringen

    Möhringen. Die so genannte freiwillige Umlegung, mit der die Bebauung der Äcker und Wiesen am Rohrer Weg im Möhringer Westen erleichtert werden soll, ist zwar noch nicht abgeschlossen. Dennoch ist bereits absehbar, dass sich nicht alle Grundstückseigentümer auf den Handel einlassen. OB Wolfgang Schuster will eine Zwangsumlegung vermeiden.

    Trotz verbesserter Konditionen bei der Neustrukturierung der Grundstücke weigern sich nach wie vor mindestens fünf Eigentümer, ihre Parzellen entlang der Udamstraße für den Bau von Wohnungen freizugeben. „Mit diesen Eigentümern wollen wir noch bis Ende des Monats reden. Wir hoffen, dass wir eine Lösung auf freiwilliger Basis finden", sagt Thomas Zügel vom Stadtplanungsamt. Ansonsten würde es zu einer Zwangsumlegung kommen. In jedem Fall soll der Gemeinderat über das Ergebnis bis Ende Januar informiert werden, bis Februar soll dem Umwelt- und Technikausschuss (UTA) eine entsprechende Vorlage zugehen.
    Nach Recherchen unserer Zeitung liegen die Grundstücke der Familien, die eine Bebauung, der als Kaltluftschneise ausgewiesenen Fläche, am Rohrer Weg ablehnen, so über das gesammelte Terrain verstreut, dass es schwierig werden dürfte, einen Bebauungsplan aufzustellen, der diese Grundstücke ausspart. Auch die von der Stadt bisher favorisierte T-Shirt-Variante, die neben den Ackerflächen im Norden zumindest auch einen Teil der Streuobstwiesen zwischen Sindelbach und Rohrer Straße als Bauland ausweist, wäre demnach kaum realisierbar.
    Wie mehrfach berichtet, hatte vor allem die CDU-Fraktion im Gemeinderat ursprünglich sogar erwogen, den gesamten Streuobstwiesen-Bestand durch eine Änderung des Flächennutzungsplans als Baugebiet auszuweisen. Grund: Die Eigentümer, die Grundstücksanteile in den Obstbaumflächen besitzen, hatten massiv Druck auf die Kommunalpolitiker gemacht, weil sie sich gegenüber den Bauwilligen im nördlichen Teil des Areals benachteiligt fühlten. Allerdings konnte keiner der Beteiligten einen Rechtsanspruch auf einen Bauplatz nachweisen. Dies wiederum führte zum Wiedererstarken des Bürgerprotests gegen die Bebauung: Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg hat bisher schon über 5000 Unterschriften gesammelt.
    Während die Ackerflächen im Norden bereits als Baugebiet ausgewiesen sind, liegt der Großteil der Obstbäume im Landschaftsschutzgebiet, was das Stuttgarter Regierungspräsidium dazu veranlasste, den Plänen der CDU einen Riegel vorzuschieben. Dies musste schließlich auch der damalige CDU-Fraktionschef Michael Föll, inzwischen Finanzbürgermeister, akzeptieren. Allerdings beharrt die CDU weiter auf dem Bau von 350 Wohnungen auf Basis der T-Shirt-Variante. Rund 50 Prozent der 5,4 Hektar Streuobstwiesen würden dabei dem Bagger zum Opfer fallen. Die andere Hälfte will die Stadt für 700 000 Euro ankaufen und zur Pflege weiterverpachten. Sollte eine freiwillige Umlegung nicht zu Stande kommen, hatte Föll auch eine Zwangsumlegung nicht ausgeschlossen (siehe nebenstehendes Interview).
     Im Gegensatz dazu setzt der OB auf eine gütliche Einigung. Er sei „kein Freund der Zwangsumlegung", ließ Wolfgang Schuster verlauten. Eine zwangsweise verordnete Neustrukturierung von Privatgrundstücken hat man in Stuttgart bisher vermieden. Im Kommunal- und OB-Wahljahr 2004 würde der OB gern an dem so genannten Stuttgarter Modell festhalten. Thomas Braun/Simone Fieß
     

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    FILDER-ZEITUNG vom 12.01.2004:

    Drei Fragen an: Susanne Eisenmann

    Susanne Eisenmann, CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Gemeinderat

    1.  Sind Sie wie Ihr Amtsvorgänger für ein amtliches Umlegungsverfahren, falls die freiwillige Umlegung scheitert?
    Auch ich baue darauf, dass die freiwillige Umlegung zu den modifizierten Konditionen gelingen wird. Erst wenn dieses nicht realisiert werden kann, muss überüprüft werden, ob ein amtliches Umlegungsverfahren eingeleitet werden soll. Dies wird aber erst dann erfolgen, wenn die freiwillige Umlegung nicht verwirklicht werden kann - eine Haltung, die übrigens auch mein Amtsvorgänger so stets vertreten hat.

    2.  Können Sie es verantworten, dass die Stadt 700 000 Euro ausgeben will, um auch jenen das Bauen zu ermöglichen, die keinen Rechtsanspruch auf Bauland haben?
    Ja, denn hier gilt auch Vertrauensschutz. Die Ausweisung eines Baugebiets mit rund 300 Wohneinheiten und etwa 800 neuen Einwohnern erhöht zudem ja den jährlichen Zuschuss des Landes -1000 Euro pro Einwohner - so dass es sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten positiv darstellt.

    3.  Wäre der Kompromiss, die Streuobstwiesen aus der Bebauung ganz auszuklammern, in der CDU mehrheitsfähig?
    Es gibt einen geltenden Flächennutzungsptan, der damals bereits um Flächen reduziert wurde. Eine weitere Verringerung der Flächen würde dem Wohnräumbedarf unserer Stadt nicht entsprechen. Deshalb stellt sich diese Frage für die CDU nicht.
    (bra)
     

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    FILDER-ZEITUNG vom 04.02.2004:

    Föll setzt auf die Kunst des Überredens

    Finanzbürgermeister will widerstrebende Eigentümer für Baugebiet in Möhringen begeistern

    Möhringen. “Wenn erst die Bagger da sind, ist es zu spät." An viele Laternenmasten im Stadtbezirk prangen die Protestaufrufe der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, die eine Bebauung der Felder und Wiesen im Möhringer Westen verhindern will. Unterdessen versucht Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll mit allen Mitteln, widerstrebende Eigentümer für die Bauabsichten zu begeistern.

    Hinter den Kulissen wird weiter heftig um die geplanten zirka 300 Wohneinheiten gerungen, die nach dem Willen der so genannten bürgerlichen Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat am Ortsrand auf freiem Feld und eben auch auf Teilen des Streuobstwiesenbestands realisiert werden sollen.

    Begründet wurde die Bauabsicht insbesondere mit der geplanten Ansiedlung von bis zu 20000 neuen Arbeitsplätzen - etwa im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost und im Industriegebiet Vaihingen-Möhringen. Dass diese Arbeitsplätze auch in naher Zukunft tatsächlich von Arbeitnehmern nachgefragt werden, die dann möglichst arbeitsplatznah wohnen möchten, zieht die aus Anliegern und Naturschützern bestehende Schutzgemeinschaft in Zweifel. Sie stützt ihre Argumentation unter anderem auf die sinkende Einwohnerzahl Stuttgarts.

    Weil nach wie vor nicht alle Grundstückseigentümer der für eine Bebauung zwingend notwendigen Bodenneuordnung zustimmen wollen, ist Finanzbürgermeister Michael Föll höchstselbst aktiv geworden. Föll, der schon als CDU-Fraktionschef bei dem Projekt die Fäden gezogen hatte, um auch jenen Besitzern von Parzellen in den Streuobstwiesen das Bauen zu ermöglichen, die keinen Rechtsanspruch darauf haben, lässt nicht locker: In Einzelgesprächen mit den verbliebenen fünf Familien, die das Bauvorhaben durch ihr Veto blockierten, wurden nach Informationen unserer Zeitung Sonderkonditionen bei den Erschließungskosten und Angebote zum Grundstückstausch offeriert - bisher mit mäßigem Erfolg. Immerhin zeigt sich inzwischen offenbar ein Eigentümer den Argumenten Fölls gegenüber aufgeschlossen. Der Finanzbürgermeister bestätigt die Gespräche. Im einen oder anderen Fall habe es auch Angebote zum Flächentausch gegeben: “Wir wollen ja nicht die Landwirtschaft am Roher Weg verhindern."

    Zumindest in einem Fall dürfte sich der OB-Vize allerdings die Zähne ausbeißen. Eine Erbengemeinschaft, die über mehrere Grundstücke im südlichen Teil des geplanten Baugebiets verfügt, hat bereits einen Rechtsanwalt mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Verweigert auch nur ein Grundstücksbesitzer das Einverständnis zur freiwilligen Umlegung, bliebe der Stadt nur noch ein Zwangsverfahren. Angesichts der anstehenden Kommunal- und OB-Wahlen in diesem Jahr scheuen allerdings zumindest Teile der CDU-Fraktion wie auch Rathaus-Chef Wolfgang Schuster einen solch drakonischen Schritt. Und auch Föll sieht in der so genannten amtlichen Umlegung die schlechteste Alternative. Immerhin hat die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg bisher 5000 Unterschriften gegen die Bebauung der Streuobstwiesen zusammengetragen.

    Mancher Anwohner des Gebiets Rohrer Weg ist angesichts der fortgesetzten Überredungsversuche des Finanzbürgermeister inzwischen so verärgert, dass er sogar bereit wäre, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Ein Nachbar: “Vielleicht wäre es ja gar nicht schlecht, wenn die Nord-Süd-Straße möglichst rasch mehrspurig ausgebaut würde. Bei dem Verkehrslärm und Gestank will dann bestimmt keiner mehr auf den Feldern und Wiesen am Rohrer Weg bauen und wohnen."                                                                 Thomas Braun

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    STUTTGARTER ZEITUNG vom 22.01.2004:
     

    Stuttgart verliert 2222 Einwohner

    Die Landeshauptstadt ist zum Jahreswechsel wieder unter die Marke von 590 000 Einwohnern gerutscht. Das Statistische Amt der Stadt macht dafür den so genannten Sterbeüberschuss sowie die Probleme auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich.

    Von Thomas Borgmann

    In der gestern veröffentlichten Jahresbilanz des städtischen Amtes heißt es: “Stuttgart hat nach mehreren Jahren mit Einwohnergewinnen 2003 genau 2222 Einwohner verloren. Die Zahl der deutschen Bürger ist auf 457539 zurückgegangen, die der ausländischen Einwohner auf 131 678; der Ausländeranteil sank um 0,2 Prozent auf 22,3 Prozent.” Insgesamt haben im vergangenen Jahr 43 900 Personen die Landeshauptstadt verlassen nur 43 290 sind neu hinzugezogen. Zugleich haben die Statistiker 5868 Sterbefalle registriert, aber nur 5256 Geburten. Nach ihren eigenen Angaben “ist die Zahl der Geburten weiter gesunken, die Zahl der Sterbefälle weiter gestiegen.”

    Mit einer Einwohnerzahl unter der Marke von 590 000 ist die Landeshauptstadt nun auf die Werte am Ende der neunziger Jahre zurückgefallen. Den Hauptgrund dafür sehen die Statistiker in den Schwierigkeiten des Arbeitsmarktes. In früheren Jahren habe Stuttgart vor allem vom Zuzug neuer Arbeitskräfte profitiert, vornehmlich aus den neuen Bundesländern/Doch diese “arbeitsplatzorientierte Fernwanderung” habe deutlich nachgelassen. 2003 seien 830 Arbeitskräfte weniger zugezogen als noch 2002.

 

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    STUTTGARTER  ZEITUNG vom 06.03.2004

    Studie mahnt: Flächenverbrauch reduzieren

    Experten raten der Landesregierung, die Neubebauung drastisch einzuschränken

    STUTTGART (Isw). Die Inanspruchnahme unbebauter Flächen in Baden-Württemberg muss aus Sicht von Experten drastisch verringert werden. 2003 wurde im Durchschnitt nach ihren Angaben täglich Land in der Größe von 15 Fußballfeldern zugebaut.

    Durch den Flächenverbrauch würden zunehmend wertvolle Flächen unwiederbringlich verloren gehen, die für den Arten- und Biotopschutz wichtig seien, heißt es im neuen Bericht des Nachhaltigkeitsbeirats der Landesregierung. Der Bericht wurde Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller (CDU) übergeben. In dem Gremium sitzen unter anderem Umwelt-, Energie- und Klimaforscher. Nach Angaben des Beirats wurden im Südwesten im vergangenen Jahr 10,6 Hektar Freiland täglich verbaut. Das entspricht etwa 15 Fußballfeldern. Im Jahr 2001 waren es sogar noch zwölf Hektar. Der Flächenverbrauch sollte nach Überzeugung des Nachhaltigkeitsbeirats von 2005 an bis zum Jahr 2020 schrittweise auf drei Hektar pro Tag reduziert werden. Dabei gehe es nicht nur um den Naturschutz. Durch die wachsende Weltbevölkerung gewinne fruchtbare Ackerfläche auch in Mitteleuropa an Bedeutung.

    Müller bezweifelte die Machbarkeit dieses Ziels: “Das ist eine kühne Zahl." Die Landesregierung habe aber die Bedeutung des Problems erkannt. “Die Fläche, die seit 50 Jahren verbraucht wurde, ist so groß wie die Fläche, die bis dahin verbraucht wurde." Dennoch werde in anderen Ländern deutlich mehr Fläche überbaut. So liege der tägliche Verbrauch in Bayern bei 17 Hektar pro Tag. Das Land versuche durch eine breite Kampagne das Bewusstsein für den Flächenverbrauch zu vergrößern. Es müssten verstärkt Brachflächen genutzt werden. Auch die Sanierung von Altlasten müsste verstärkt werden.

    Der Nachhaltigkeitsbeirat. ein Beratungsgremium aus neun, Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen, empfiehlt dem Land. auf so genannte handelbare Flächenzertifikate zu setzen. Das bedeutet, den gesamten Flächenverbrauch auf einen festen Wert zu begrenzen und Kreisen sowie Kommunen feste Kontingente zu geben.

    Sollten sie diese nicht in Anspruch nehmen. können sie sie verkaufen. Dazu sollte eine Flächenbörse eingerichtet werden. Ein ähnliches Modell wird gegenwärtig auch beim Ausstoß von Luftschadstoffen als so genannter Emissionsrechtehandel diskutiert. Hochwertige Flächen für den Anbau oder für den Naturschutz müssten von der Bebauung ausgeschlossen werden.

     

    Was tut der Beirat?

    Der Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg ist ein von der Landesregierung eingesetztes Gremium. Er hat seine Arbeit im Juli 2002 aufgenommen. Der Beirat hat den Auftrag, die Umweltsituation im Land und deren Entwicklungstendenzen zu bewerten. Die Experten sollen die Umsetzung des Umweltplans Baden-Württemberg begleiten sowie Fehlentwicklungen und Möglichkeiten zu deren Vermeidung oder Beseitigung aufzeigen. Damit soll die Urteilsbildung bei allen verantwortlichen Instanzen sowie in der Öffentlichkeit bei der Entwicklung eines dauerhaft umweltgerechten Baden-Württembergs unterstützt werden. Der Nachhaltigkeitsbeirat legt der Landesregierung alle drei Jahre. erstmals 2005. ein Gutachten vor. Einmal im Jahr erstellt er Empfehlungen zu Schwerpunkten des Umweltplans.

    www.nachhaltigkeitsbeirat-bw.de

     

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    STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 26.03.2004:

Appell an Schuster in Sachen Rohrer Weg

    Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg hat OB Wolfgang Schuster und Baubürgermeister Hahn dieser Tage 770 so genannte Stimmzettel von Möhringer Bürgern überreicht, die sich zusammen mit der Schutzgemeinschaft in der Aktion “Möhringer wählt - Keine Bebauung am Rohrer Weg!” für den Erhalt der Felder und Wiesen am Rohrer Weg aussprechen. Diese Wahl fand über den Winter statt, parallel zur Unterschriftensammlung der Schutzgemeinschaft, bei der bisher fast 6000 Bürger unterzeichneten. Die Schutzgemeinschaft weist auf die bevorstehenden Wahlen hin und betont, die Möhringer Bürger müssten mit ihrem Anliegen des Erhalts ihres bedeutenden Naherholungsgebietes ernst genommen werden. Schuster wies darauf hin, dass die ursprüngliche Bebauungsabsichten reduziert worden seien. Die Bebauung solle nun nur noch einen schmalen Streifen der Streuobstwiesen beanspruchen. Eine Entwicklung, die der Schutzgemeinschaft aber nicht genügt.                            rd

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    STUTTGARTER WOCHENBLATT vom 01.04.2004:

“Goldpramäne” gepflanzt

    • MÖHRINGEN - Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg setzt sich für den Erhalt der traditionellen Streu-obstwiesen und im besonderen der Streuobstwiese am Rohrer Weg im Möhringer Westen ein. Am vergangenen Freitag konnte die Schutzgemeinschaft auf ei-ner Streuobstwiesenparzelle nahe der Jugendfarm in Möhringen einen Apfelbaum pflanzen. Die „Hoch-stamm-Goldparmäne" wurde vom Förderkreis Stuttgarter Apfelsaft gespendet. Kräftig zugepackt und die Aktion unterstützt haben Kinder und Jugendliche der Möhringer Jugendfarm, die in der Vergangenheit Äpfel und das Gras der Streuobstwiese nutzen durften. Künftig möchte die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg Besitzer von Obstbäumen bei der Pflege unterstützen und sich auch für die Vermittlung von Baumpatenschaften einsetzen.                          Foto: Schutzgemeinschaft Rohrer Weg
     

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      Möhringen Akuell  04/2004:

       

      Die letzte Blütenpracht?

      Klaus Grundgeiger

      „Wenn im Frühjahr die Natur erwacht und Blumen und Bäume wieder blühen, zeigt sich der Rohrer Weg von seiner schönsten Seite” So beschreibt die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, die seit dem letzten Jahr ein eingetragener Verein ist, eines der letzten Idylle auf dem Stuttgarter Teil der Filder. Wahrscheinlich wird 2004 die letzte reichhaltige Blüte auf den Streuobstwiesen am Rohrer Weg sein. Denn
      die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat sind so, dass in diesem Jahr wohl die letzten Hürden gegen den Wohnungsbau am Rohrer Weg fallen.

     

      Nach den momentanen Trends  werden   die Christdemokraten bei der Kommunalwahl am 13. Juni einen gewaltigen Sieg einfahren. Wenn dem so ist, muss die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg damit rechnen, dass ihr jahrelanger Kampf um die Streuobstwiesen am Rohrer Weg endgültig verloren ist.
      Die CDU-Fraktion hat offiziell bereits angekündigt, sie halte an ihrem „grundsätzlichen Bestreben" fest, „dringend benötigten Wohnraum so schnell wie möglich zu schaffen." Und dafür hat sie ein Gebiet ganz präzise im Auge: „Im Stadtbezirk Möhringen am Rohrer Weg ist die Schaffung von Wohnraum möglich - durch die Ausweisung eines Baugebiets mit über 300 Wohnungen können hier 800 Menschen ein neues Zuhause finden."
      Zwar hat das Regierungspräsidium Stuttgart den ursprünglichen Plänen der CDU nicht zugestimmt, den gesamten Streuobstwiesenbestand durch eine Änderung des Flächennutzungsplans als Baugebiet auszuweisen. Das bringt die Christdemokraten allerdings von ihrer Begehrlichkeit nicht ab. Der Rohrer Weg bleibt in ihrem Visier.
      Nun hofft die CDU, dass bei einer freiwilligen Umlegung am Rohrer Weg mit veränderten (günstigeren) Bedingungen, „die Zustimmung aller Beteiligter zu erreichen." Gedacht ist das so: „In der so genannten T-Shirt-Variante soll auch zwischen Sindelbach und Rohrer Straße Bauland ausgewiesen werden. Die Grundstückseigentümer des benötigten Streuobstwiesenanteils von rund 2,8 Hektar erhalten den 20-prozentigen Sozialbeitrag mit 100 Euro pro Quadratmeter. Dafür bringt die Stadt 1,4 Millionen Euro auf, wobei diesem Betrag ein Anlagewert der Stadt von 700.000 Euro gegenübersteht."

      ___ZWANGSUMLEGUNG SOLL VERMIEDEN WERDEN
      Eine Zwangsumlegung will die CDU jedenfalls vermeiden, wie ihre Spitzenkandidatin im Kommunalwahlkampf, Susanne Eisenmann, in einer Erklärung der Fraktion versichert hat: „Wir denken, dass die verbesserten Umlegungsmodalitäten den Weg für die notwendige Baulandausweisung freimachen."


      ___DIE CDU SIEHT WOHNRAUM ALS PRIORITÄT
      Nun wollen natürlich auch die Christdemokraten nicht aus Jux und Dollerei eine der letzten großen Streuobstwiesen in Stuttgart zerstören. Sie argumentieren: „Bezahlbarer Wohnraum ist in Stuttgart knapp. Um Abhilfe zu schaffen, vor allem auch vor dem Hintergrund, Familien und mittlere Einkommensgruppen in der Stadt halten zu wollen, muss dort Wohnraum ausgewiesen werden, wo er aus Umweltschutz- und städtebaulichen Aspekten vertretbar ist."
      Genau gegen diese Argumentation der CDU wehren sich vor allem die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, die Grünen im Gemeinderat und der NABU vehement. Hier noch einmal die Hauptargumente, wie sie in einem Flugblatt zusammengetragen worden sind:
      „In diesem erst vor 7 Jahren vom Regierungspräsidium ausgewiesenen  Landschaftsschutzgebiet, einer der letzten zusammenhängenden   großflächigen Streuobstwiesen Stuttgarts, findet sich eine sehr große Artenvielfalt. So stellt besonders dieser Teil einen wichtigen ‘Standortfaktor’ für urbanes Wohnen dar: Grüne Lunge, Oase der Ruhe, Natur in der Stadt. Zudem hat die gesamte Fläche am Rohrer Weg eine wichtige Klimafunktion für die sensible Talkessellage Stuttgarts: Sie füngiert als Frischluftentstehungsgebiet   (‘Kaltluftsee’) sowie als Durchflussrinne der Kaltluftansammlungen aus dem Aich- und Siebenmühlental, die über den Musberger Hang durch die Freifläche zwischen Möhringen und Vaihingen talwärts strömen. Eine Verbauung dieser Frischluftschneise hätte verheerende Folgen für das Klima im Stuttgarter Talkessel, so dass aus unserer Sicht eine Versiegelung dieser Fläche eine Entscheidung gegen das Allgemeinwohl der Stadt bedeutet.”
      Angesichts dieser Überlegungen lehnt die Schutzgemeinschaft „jede Bebauung am Rohrer Weg ab, die Bebauung des nördlichen Landschaftsschützgebiets ist nicht hinnehmbar.” Acker und Streuobstwiesen prägten durch die Jahrhunderte das Aussehen der Filderlandschaft. Während der letzten Jahrzehnte führte eine rasante Besiedlung dazu, dass immer mehr Boden versiegelt und die charakteristische  Natur- und Kulturlandschaft der Filder zerstört wurde. Neben der Ausweisung neuer Wohngebiete gehören hierzu auch die Begehrlichkeiten des Flughafens, die Verbreiterung der A 8, neue Gewerbegebiete, und gerade in diesen Tagen der geplante Bau einer neuen Messe für Stuttgart sowie die ICE-Trasse vom Fildertunnel zum Flughafen und entlang der Autobahn in Richtung München.
      Das Beispiel der landwirtschaftlichen Flächen in Möhringen zeigt diese Entwicklung eindrucksvoll auf. Die Grünen haben diese Fakten zusammengetragen: „Gab es in Möhringen zu Beginn der 60er Jahre noch 893 ha Fläche, waren es 1997 noch 372 ha, mit abnehmender Tendenz. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im gesamten Fildergebiet."
      Die Streuobstwiesengürtel als Übergang  von  den  weiten Ackerflächen zu den Fildervororten sind weitgehend verschwunden.

      ___EIN GUTACHTEN WIRD AUF DIE SEITE GEWISCHT
      Rückendeckung haben die Kritiker dieser Entwicklung mit ihrem Kampf gegen eine Bebauung des Rohrer Wegs vom Regierungspräsidium Stuttgart erhalten. Dieses wies auf den besonderen ökologischen Wert von Streuobstwiesen hin und sprach sich als „Träger öffentlicher Belange" klar gegen die Bebauung des Streuobstwiesengebietes aus. Die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) hatte schon 1993 empfohlen, den Rohrer Weg unter Naturschutz zu stellen.


      ___ VOM ÖKOLOGISCHEN WERT DER STREUOBSTWIESE
      Es lohnt, sich im Jahr des wahrscheinlichen   Kahlschlags am Rohrer Weg noch einmal die Aussagen der Gartenbauwissenschaftlerin Inge Maass vor Augen zu führen, die sie im Gutachten „Ökologische Grundlagen zur Grünordnungsplanung Rohrer Weg/Stuttgart Möhringen" niedergelegt hat. Einem Gutachten im übrigen, das sie im Auftrag des städtischen Amtes für Umweltschutz erstellte.
       

      Sie kommt zu dem Urteil: „Um einen sicheren Schutz zu gewährleisten, muss der gesamte Streuobstbestand in seiner jetzigen Größe erhalten bleiben. Schon  geringfügige  Eingriffe können wesentliche nachteilige Veränderungen der Standortverhältnisse zur Folge haben."
      Inge Maass zählte vor gut zehn Jahren am Rohrer Weg noch 874 Bäume und insgesamt 230 Blütenpflanzen (incl.Gehölze). Auch die Brutvogelwelt war damals noch „sehr artenreich, aber individuenarm vertreten." Die große Zahl der Gäste (40 Arten, im Vergleich zu nur 32 im Greutter Wald und 19 am Birkacher Osthang) belege die außerordentliche Bedeutung der Streuobstwiese am Rohrer Weg als Nahrungsgebiet.
      Die Gutachterin kommt zu dem Ergebnis: „Aufgrund der derzeitigen Funktion als seltener Vogelbiotop im Stuttgarter Stadtgebiet und der Ausstattung ist die Streuobstfläche am Rohrer Weg schutzwürdig. Eine Ausweisung als NSG wird empfohlen. Durch Pflege und Sicherungsmaßnahmen (Erhalt des Höhlenbestandes, abgestufte Wiesenmahd, Biozidverbot, Auflagen zur Erholungsnutzung wie Betretungsverbot und  Leinenzwang während der Brutzeit) kann der aktuelle Bestand erhalten werden."
      Die Streuobstwiese am Rohrer Weg ist für die Wissenschaftlerin der einzige landschaftstypische ältere (ca. 100 Jahre alt) Biotoptyp, der aufgrund der Größe der Fläche und länger anhaltender, gleichbleibend extensiver Nutzung „sich soweit ausdifferenzieren konnte, dass er aktuell hochspezialisierte oder spezifische Arten und gefährdete (d.h. RL Arten) beherbergt, die nur hier vorkommen (Moose, Vögel, xylobionte Käfer, Stechimmen)."


      ___ BIOTOP AM ROHRER WEG IST „UNERSETZLICH"
      Aufgrund des Alters und seiner Lage am Stuttgarter Stadtrand, so das Gutachten, „kann dieser Biotop als unersetzlich eingeschätzt werden." Die Streuobstwiese am Rohrer Weg ist danach „im regionalen, gesamtstädtischen Vergleich und im Vergleich mit den anderen Teilflächen des Untersuchungsgebiets von herausragender Bedeutung."
      Durch den Vergleich mit den vier anderen in Stuttgart noch verbleibenden Streuobstwiesen ähnlicher Größe und Ausstattung konnte nachgewiesen werden, dass das Streuobstgebiet am Rohrer Weg in verschiedener Hinsicht gleiche Qualitäten wie bei den Naturschutzgebiete Greutterwald und Plieninger Heidäcker aufweist, obwohl die Fläche geringer ist und die Lage isoliert.
      Auch wenn alle diese Argumente nicht neu sind, lohnt es sich, sie noch einmal zu beden ken, ehe am Rohrer Weg in diesem Jahr die Bulldozer anrücken und unwiederbringliche Möhringer Filderlandschaft auf ihre Schaufeln nehmen.


      ___SPAZIERGANG AM 6. STREUOBSTWIESENTAG
      Unter diesen Auspizien verdient eine Initiative des „Förderkreises Stuttgarter Apfelsaft - ökologischer Streuobstbau" am Donnerstag, 8. April, Aufmerksamkeit. Er präsentiert zum 6. Stuttgarter   Streuobstwiesentag das lange geplante Faltblatt „Mit der SSB zu den Stuttgarter Streuobstwiesen".
      Das von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege herausgegebene Faltblatt vermittelt Wissenswertes rund um den Lebensraum Streuobstwiesen. Streuobstwiesen sind ideale Naherholungsgebiete und bequem mit den Bahnen und Bussen der SSB zu erreichen. Durch das Faltblatt soll das Planen längerer oder kürzerer Wanderungen zu den Stuttgarter Streuobstwiesen leichter gemacht werden.
      Alle dargestellten Naherholungsgebiete sind ohne Schwierigkeiten erreichbar, und führen zu artenreichen Streuobstbiotopen - Kleinoden der Stuttgarter Kulturlandschaft.
      Die Idee zu diesem Faltblatt entstand 2001, als zu erkennen war, dass die attraktiven Stuttgarter Naherholungsgebiete keineswegs bei allen Stuttgartern den nötigen Bekanntheitsgrad zeigt.
      Durch die Unterstützung der Stiftung Landesbank Badenwürttemberg, der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), der Firma Mayer Fruchtsäfte, der Stadt und des Förderkreises Stuttgarter Apfelsaft konnte das Faltblatt jetzt realisiert werden.
      Damit es am 8. April in Möhringen auch ganz konkret wird, führt an diesem Tag der Spaziergang zum Rohrer Weg, wobei zunächst das Stück vom Möhringer Bahnhof zur Haltestelle Rohrer Weg mit der Straßenbahn gefahren wird.
      Martin Nebel vom Staatlichen Museum für Naturkunde wird die Teilnehmer wissenschaftlich auf der Exkursion zum Rohrer Weg begleiten. Seinen Abschluss findet der Spaziergang bei einem Mittagessen auf dem Reyerhof in der Unteraicher Str. 8 in Möhringen. Die Teilnehmer treffen sich um 11.00 Uhr am Möhringer Bahnhof.                                                             Fotos:gol

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      FILDER-ZEITUNG vom 29.03.2004

    Bauen am Rohrer Weg liegt wohl bis zur Wahl auf Eis

    Stuttgarts OB Wolfgang Schuster gegen Abholzung von Streuobstwiesen - Finanzbürgermeister Michael Föll will weiter sondieren

    Möhringen. Das geplante Wohnbauprojekt am Rohrer Weg im Westen Möhringens liegt vorerst auf Eis. Nach Informationen unserer Zeitung ist es Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll auch in persönlichen Gesprächen bisher nicht gelungen, alle Grundstückseigentümer von der notwendigen Bodenneuordnung zu überzeugen.

    Fölls Chef, der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, hat sich dieser Tage auf der Jahresversammlung des Haus- und Grundbesitzervereins auf dem Killesberg weit aus dem Fenster gelehnt. Für neue Wohnungen werde er weder Streuobstwiesen noch Wälder abholzen lassen, sagte der Rathaus-Chef, der im Oktober wiedergewählt werden will. Gleichwohl haben Schuster und die Mehrheit des Gemeinderats den neuen Finanzbürgermeister zum Emissär ernannt, der den Konflikt am Rohrer Weg gütlich beilegen soll. Und der hat nach wie vor die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es zu einer freiwilligen Umlegung kommt: „Wir sind noch im Gespräch, und so lange bin ich voller Zuversicht", sagt Föll.

    Die Aussichten auf eine Zustimmung aller betroffenen 90 Grundstücksbesitzer sind allerdings minimal - und damit auch die Aussicht auf eine rasche Bebauung des Areals. Nach Recherchen der Filder-Zeitung verweigern nach wie vor fünf Eigentümer hartnäckig ihre Zustimmung. Wie mehrfach berichtet, müssen bei einer freiwilligen Umlegung aber alle Grundstücksbesitzer einverstanden sein.

    Auch eine zwangsweise beziehungsweise amtliche Umlegung ist derzeit in weite Ferne gerückt. Im beginnenden Kommunalwahrkampf wollen es sich offenbar auch die CDU, die FDP und die Freien Wähler nicht mit jenen Bürgern verscherzen, die mit ihren nahezu 6000 Unterschriften ihren Protest gegen die Bebauung der Äcker und Streuobstwiesen am Ortsrand zum Ausdruck gebracht haben.

    Das gilt auch für den OB, der bereits früher gegenüber unserer Zeitung zum Ausdruck gebracht hatte, er sei kein Freund der Zwangsumlegung. Michael Föll, der noch als CDU-Fraktionschef durchaus damit geliebäugelt hatte, nennt einen weiteren Grund: „Bei einer amtlichen Umlegung würden sich die Konditionen für alle Grundstückseigentümer deutlich verschlechtern." So müsste nach einer früheren Beispielrechnung des Liegenschaftsamts ein Besitzer, dessen zehn Ar großes Grundstück vor der Umlegung 250000 Euro, nach der Umlegung aber 375 000 wert ist, die Differenz von 125 000 Euro als „Umlegungsvorteil" an die Stadt bezahlen. Im Gegenzug bekäme er dafür rund 75 Prozent seiner Fläche als Bauland Bei einer freiwilligen Umlegung, die auch den größten Teil der Streuobstwiesen im Landschaftsschutzgebiet in die Bebauung einbeziehen würde, wären die Konditionen für die Eigentümer erheblich günstiger.

    Unterdessen wird auch Kritik an der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg laut, die zusammen  mit  dem  Naturschutzbund (Nabu) die Proteste gegen das Bauvorhaben initiiert hat. Man könne nicht leugnen, dass es in Stuttgart generell einen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum gebe, sagen selbst solche Politiker, die Wohnungsbau an dieser Stelle aus ökologischen Gründen ablehnen. Das sei ein Argument von Leuten, die schon eine schöne Wohnung besitzen, heißt es.

    Voraussichtlich im April wird sich entscheiden, ob überhaupt und gegebenenfalls wie schnell die Häuser am Rohrer Weg hochgezogen werden. Dann berät der Stuttgarter Gemeinderat über die Fortschreibung des Flächennutzungsplans. Bis dahin reimt die Schutzgemeinschaft munter: „Stuttgarts Gemeinderat zum Trutz, dem Rohrer Weg gehört der Schutz." 
                       Thomas Braun

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    Stuttgarter Wochenblatt vom 15.04.2004 (16/2004)

    Mit Bus und Bahn ins Naherholungsgebiet

    Auf Möhringens Streuobstwiesen wird neues Faltblatt präsentiert

    MÖHRINGEN - Stuttgart ist als Naherholungsgebiet bekannt. In Möhringen beginnt diese natürliche Umgebung oft gleich hinter dem Haus. Vor allem zwischen Frühjahr und Herbst werden die unbebauten Flächen gern von Spaziergängern oder Freizeitsportlern geschätzt. Die Streuobstwiesen tragen ihren Teil zu einem attraktiven Wohngebiet bei.

    Um dieses Gebiet auch bei Bürger und Bürgerinnen aus anderen Stadtteilen bekannter zu machen, ist nun ein von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege herausgegebenes Faltblatt “Mit der SSB zu den Stuttgarter Streuobstwiesen" erschienen. Hier werden Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs sowie Wanderungen und Spaziergänge durch und zu den Stuttgarter Streuobstwiesen aufgeführt.

    Vergangene Woche präsentierte der Verein Förderkreis Stuttgarter Apfelsaft - Ökologischer Streuobstbau in Stuttgart das Faltblatt während eines Lokaltermins am Rohrer Weg. Eingeladen hatte die Stadträtin und Vorsitzende des Vereins Doris Peppler-Kelka. Wissenschaftlich unterrichtet wurden die Teilnehmer von Dr. Martin Nebel vom staatlichen Museum für Naturkunde.

    Streuobstwiesenhaben eine Tradition, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. In Stuttgart wurde die Wirtschaftsform auf schweren Böden und steilen Hängen angewendet. Die Bäume wurden nur alle Jahre geschnitten, die Wiese zweimal im Jahr gemäht. Vieh wurde als natürliche Rasenmäher eingesetzt. Das Gras war billiges Futter. Imker mit zen die Obstwiesen heute immer noch, um Bienenstöcke aufzustellen. Das Holz der Obstbäume ist in der Möbel- und Musikinstrumentenbau sehr gefragt. Wie sehr dieser ökologische Wertbestand verkannt worden ist, ist daran zu sehen, dass von 660 000 Hektar im Jahr 1934 in Baden-Württemberg in den 90er Jahren nur noch ein Drittel der Fläche übrig geblieben ist.

       

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    FILDER-ZEITUNG vom Juli (?) 2004 / Nummer 58

    Möhringer Stadtratsanwärter geizen mit Auskünften

    Nur acht von 16 Bewerbern für einen Sitz im Gemeinderat beziehen Stellung -
    Am Reizthema Rohrer Weg scheiden sich die Geister

    Möhringen. Bei der Kommunalwahl am 13. Juni bewerben sich auch 16 Kandidaten aus dem Stadtbezirk Möhringen (inklusive Sonnenberg und Fasanenhof) um ein Mandat im Stuttgarter Gemeinderat. Die FilderZeitung hat alle Aspiranten zu spezifischen Möhringer Themen befragt - die Hälfte hat auch geantwortet.

    Je näher der Wahltermin rückt, desto auskunftsfreudiger präsentieren sich normalerweise vor allem jene Polit-Novizen, denen es nicht um die Verteidigung ihres Sitzes im Gemeinderat geht, sondern die einen solchen für ihre jeweilige Partei erst erringen möchten. In Möhringen freilich geizen viele Bewerber mit Auskünften - die Ausnahmen sind im Folgenden dokumentiert.

    Eines  der Möhringer  Hauptthemen  im Wahlkampf ist die geplante Bebauung der Felder und Streuobstwiesen am Rohrer Weg. Strikt dagegen sprechen  sich   Franz-Xaver  Friedel (Grüne, Listenplatz 30) und Jürgen Raff (Republikaner, Platz 9) aus. Während Friedel vor allem die Bedeutung des Areals im Möhringer Westen als Frischluftschneise für den Stuttgarter Talkessel herausstellt, will Raff das Naherholungsgebiet als Spielgelände “für Kinder" erhalten. CDU-Stadträtin Iris Ripsam (Listenplatz 12) votiert für die geplante Aufsiedelung mit “340 Wohneinheiten für zirka 900 Einwohner". Vorsichtiger argumentiert ihr Parteifreund Klaus Nopper (Platz 30): Er befürwortet eine teilweise Bebauung.

    Auch die drei liberalen Kandidaten Babette Kämmer (Listenplatz 9), Bernd Eppinger (Platz 39) und Johannes Aichner (Platz 45) tendieren zu einer “schonenden Bebauung", um dem Wohnraumbedarf junger Familien in Stuttgart gerecht zu werden. Gleiches gilt für Wolfgang Pfeiffer (Freie Wähler, Listenplatz 13), der durch die beabsichtigte Ansiedlung “vieler tausend neuer Arbeitsplätze" im Industriegebiet Wallgraben und auf dem Fasanenhof einen steigenden Wohnraumbedarf ausgemacht zu haben glaubt.

    Ähnlich verlaufen die Fronten hinsichtlich des geplanten Ausbaus der Nord-Süd-Straße. Der Grüne Friedel und der Republikaner Raff beurteilen entsprechende Pläne zurückhaltend. Friedel will das Gebiet zunächst besser an den ÖPNV angeschlossen wissen, Raff ("Ausbau ja, jedoch keine vier Fahrspuren") fordert eine Überhohlspur für Pkw. Die beiden Christdemokraten Ripsam und Nopper begrüßen die Nachverdichtung im Gewerbegebiet Wallgraben und propagieren einen dreistreifigen Ausbau der Straße und die Optimierung der Kreuzungsanschlüsse. Die FDP ist sich nicht ganz einig: Während sich Kämmer und Eppinger für eine Erweiterung auf drei Fahrspuren mit Wechselspur aussprechen, lehnt ihr Parteifreund Aichner den Ausbau der Straße ohne Gesamtverkehrskonzept für Möhringen ab. Der Freie Wähler Pfeiffer plädiert dafür, durch Verhandlungen mit der Nachbarkommune L.-E. eine bessere Lösung für das “Nadelöhr" Nord-Süd-Straße zu finden.

    ... (Thema Fasanenhof ist hier gekürzt) ...

    Bei der Frage, welche Projekte auf dem Fasanenhof mit dem Geld aus dem Förderprogramm “Soziale Stadt" vorrangig gefördert werden sollten, differieren die Antworten: Ganz oben auf der Liste stehen für den Freien Wähler sowie die FDP-Kandidaten die Sanierung des Jugendhauses, aber auch eine Begegnungsstätte für ältere Einwohner sowie verbesserter Lärmschutz und die Aufwertung bestehender Grünzonen. Die CDU-Bewerber wollen mit dem Geld vor allem den Europaplatz sanieren sowie den provisorischen Kreisverkehr vor dem Platz endgültig ausbauen und das Jugendhaus herrichten lassen. Grünen-Bewerber Friedel verweist lapidar auf die “guten Vorschläge" der Stadt teilinitiative Fasanenhof, Jürgen Raff (Rep) will vor allem gemeinsam mit den Kirchen Veranstaltungen für alle Altersgruppen fördern - mit einer Republikaner-typischen Einschränkung: “Keine mültikulturellen Veranstaltungen, da diese die Integration nicht
    fördern." Thomas Braun

    Außer jenen Kandidaten, die sich bis zum Redaktionsschluss am gestrigen Dienstag den Fragen der Fuder-Zeitung gestellt haben, kandidieren aus dem Stadtbezirk Möhringen außerdem: Christa Metke (CDU), Klaus-Jürgen Ledebur, Heike Schu-macher (beide SPD), Andreas Groll, Hans-Henning Hall (beide Grüne), Gisela Dahl (FDP), Dietmar Wurst (Freie Wähler) und Ralf von Hacht (Rep).

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

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      Stuttgarter Wochenblatt vom 07.2004 (29/2004)

    “Ich bin gegen eine Zwangsumlegung am Rohrer Weg in Möhringen"

    Das Stuttgarter Wochenblatt hat in seiner Leseraktion zu Fragen an Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster aufgerufen. Das Stadtoberhaupt der Landeshauptstadt stand uns in unserer Redaktion Rede und Antwort, wo der Schuh im Stadtteil, in der Stadt und in den umliegenden Gemeinden drückt. Das Interview führte Daniela Eichert.

    Viele Möhringer stellen sich die Frage, was wird aus dem Vorhaben der Bebauung am Rohrer Weg? Wird das jahrelange Tauziehen zwischen SPD und Grüne, die für den Erhalt der dortigen Streuobstwiesen sind und den bürgerlichen Parteien, die sie zusätzlich als Baufläche ausweisen möchten, im Gemeinderat endlich beendet?

    Oberbürgermeister Wolfgang Schuster:
    Nach wie vor besteht eine große Nachfrage nach solchen Grundstücken im Grünen. Der Gemeinderat hat jedoch bereits mehrheitlich beschlossen, nur eine kleinere Fläche als Bauland auszuweisen. Aber um bauen zu können, brauchen wir Grundstücke. Es ist also immer eine Abwägung. Ich selbst bin aber gegen ein zwangsweises Verfahren und für eine freiwillige Umlegung. Deshalb geht alles sehr langsam.

    Was ist mit der von der SPD vorgeschlagenen Alternative, Baufläche rund um den Möhringer Bahnhof auszuweisen?

    OB W. Sch.:
    Wir haben bereits das Bauflächenmanagement damit beauftragt, sämtliche Brachflächen in der Stadt zu untersuchen unter, dem Aspekt “was kann ich bebauen". Das Gebiet rund um den Möhringer Bahnhof ist durchaus eine interessante Fläche, die der SSB und der Stadt gehören. Gerade wird aber geprüft, ob eine Er Schließung nicht zu teuer wäre. Außerdem ist diese Fläche kaum eine Alternative zu einem Reihenhaus im Grünen. Nach wie vor herrscht große Nachtrage nach solchen Grundstücken.

    Tatsächlich? Betrachtet man die demographische Entwicklung, sagt eine Studie des Statistischen Amtes für das Jahr 2015 20 000 Einwohner weniger für Stuttgart voraus. Braucht es demnach künftig soviel Baufläche und wenn ja, warum ausge rechnet am Rohrer Weg, für die Möhringer ein Stück Lebensqualität für die Stuttgarter Kaltluftschneise und Naherholungsgebiet?

    OB W. Sch.: Wir achten schon verstärkt darauf, dass vorzugsweise Brache zum Bauland gemacht wird. Nichts desto trotz, wird die Nachfrage ungeachtet des deographischen Wandels gerade bei jungen Familien nach preiswertem Wohneigentum im Grünen immer da sein. Aber es ist auch richtig, dass Stuttgart langfristig seine “grüne" Qualität erhalten muss. Deshalb werden wir auch die Wohnungsflächenreserven auf dem Gelände von Stuttgart 21 brauchen, damit die demographische und soziale Entwicklung stimmt.

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    FILDER-ZEITUNG vom 30.07.2004

    Idyllische Bilder vom Rohrer Weg

    Möhringen (sf). Blühende Bäume, Traktoren im Sonnenschein und grasende Kühe: Die 25 Teilnehmer beim Fotowett-bewerb, den die Schutzgemeinschaft Roh-rer Weg ausgelobt hat, haben sich alle Mühe gegeben, den Zauber der Streuobstwiesen am Rohrer Weg mit idyllischen Motiven herauszustellen. Insgesamt wurden 70 Fotos eingereicht - allesamt „wunderschöne Bilder", wie Norbert Michel von der Schutzgemeinschaft befand. Michel verwies auf die Bedeutung der Streuobstwiesen als Naherholungsgebiet und kritisierte erneut die Pläne der Stadtverwaltung, das Areal zu bebauen: „Es wäre jammerschade, wenn dieses Stück Identität verloren ginge." Den ers-ten Platz mit seinem Bild von einer Joggerin belegte Horst Stolz (links). Zweite wurde Annette Trinkner, deren Bild stellvertretend Norbert Michel (Mitte) präsentierte, und den dritten Platz belegte Helmut Siegle (rechts). Die besten Bilder sollen für einen Kalender verwendet werden.
    Foto: Simone Fieß

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    FILDER-ZEITUNG vom 18.08.2004

    Kumpf auf  in Möhringen

    Möhringen. Nach Stuttgart-Ost und Stammheim war Möhringen an der Reihe: Bei ihrem dritten Stadtteilbesuch hat sich Ute Kumpf (Bildmitte), die SPD-Kandidatin für den Stuttgarter Oberbürger-meister-Sessel, am Montag darüber informieren lassen, welche Probleme den Möhringern unter den Nägeln brennen. Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann nannte vor allem zwei Schwerpunkte: die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum, „damit junge Familien nicht wegziehen müssen" sowie die Förderung des Einzelhandels, „damit der Stadtteil lebendig bleibt und sich auch Ältere vor Ort versor-gen können". Ganz oben auf der Dringlichkeitsliste stehen laut Lohmann aber auch die Neugestaltung des Bahnhofsbereiches und das „Jahrhundertprojekt Bürgerhaus". Die OB-Kandidatin erfuhr zudem von massiven Verkehrsproblemen, von fehlenden Betreuungsplätzen für die Allerkleinsten und von den Sorgen der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, die mit einer Unterschriftenaktion versucht, die Bebauung des klimatologisch wertvollen Naherholungsgebietes im Möhringer Westen zu verhindern. Im Anschluss an den Spaziergang zu den gefährdeten Streuobstwiesen besuchten Kandidatin Kumpf und ihre Begleiter - darunter Stadträte, Mitglieder des Bezirksbeirates, des Landfrauenverbandes, von Sport- und Behinderteneinrichtungen - den Stadtteil Fasanenhof, dessen in die Jahre gekommener Europaplatz noch immer der Sanierung harrt.       Foto: Ursula Vollmer

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

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    FILDER-ZEITUNG vom 18.08.2004

    Interview mit Stuttgarts Baubürgermeister Matthias Hahn

    Echterdingen (bra). Matthias Hahn hat sich als Stuttgarter Baubürgermeister Über die Parteigrenzen hinweg Respekt erworben. Ob Trump-Tower oder Lauchäcker-Tower - über seinen Schreibtisch laufen alle großen und kleinen Bauprojekte in der Landeshauptstadt. Beim Redaktionsbesuch äußerte sich der gebürtige Kurpfälzer unter anderem zum geplanten Ausbau der Nord-Süd-Straße, dem Büro-Leerstand auf den Fildern und natürlich zu Stuttgart 21.

    Herr Hahn, die so genannte bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat will am Rohrer Weg im Möhringer Westen gegen breiten Widerstand aus der Bevölkerung ein neues Wohngebiet errichten lassen. Wie weit sind die entsprechenden Pläne gediehen?
    Momentan laufen noch die Verhandlungen mit den letzten Grundstückseigentümern über eine freiwillige Umlegung ihrer Grundstücke. Es sieht so aus, als würde das klappen. Und der nächste Schritt wäre dann, dass das Bebauungsplanverfahren zu Ende geführt wird. Ich bin aber ziemlich sicher, dass es bei der Ausarbeitung des Bebauungsplans noch die eine oder andere Friktion geben wird.

    Die Verhandlungen mit den Eigentümern über die freiwillige Umlegung führt ja Ihr Kollege, Finanzbürgermeister Michael Föll. Wie man hört, soll er dabei nicht gerade zimperlich vorgehen: Die Rede ist von finanziellen Verlockungen bis hin zu Drohungen mit dauerhaftem Baustopp für jene, die nicht mitziehen wollen. Kann man da noch von Freiwilligkeit sprechen?
    Ich bin zwar bei diesen Gesprächen nicht dabei, aber irgendwelche Drohungen seitens der Stadt kann ich mir nicht vorstellen. Bei mir jedenfalls sind solche Beschwerden nicht angekommen.

    Bei der Bebauung werden ja auch die Streuobstwiesen in Mitleidenschaft gezogen. Damit will man auch Eigentümern, deren Parzellen in den Obstwiesen liegen, Bauland zuweisen können, obwohl diese rechtlich keinen Anspruch darauf haben. Werden da nicht ohne Not ökologische Interessen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet?
    Wir denken im Moment noch darüber nach, wie der Eingriff in die Streuobstwiesen erfolgen soll. Das ist ja doch eine Frage der Intensität der Bebauung. Es sind ja auch Modelle denkbar, wo eine Obstbaumwiese Teil des zu bebauenden Grundstücks bleibt. Wir wollen da nicht flächenhaft hineinrasieren. Es gab, wie sie wissen, jahrelange Diskussionen um dieses Baugebiet. Viele haben sich verpflichtet gefühlt - nachdem es da auch gewisse Zusagen gab - die Erwartungen nicht zu enttäuschen. Immerhin waren vor vier Jahren drei Viertel des Gemeinderats für die Bebauung. Ich räume aber ein, dass der Rohrer Weg ein Grenzfall ist. Wenn man heute bei null anfangen würde, wäre die Situation möglicherweise anders zu beurteilen.'

    Ist das Projekt denn unter wohnungsbaupolitischen Gesichtspunkten zwingend nötig?

    Wir sind in Stuttgart generell knapp an Wohnungen und bemühen uns, durch Änderung der Nutzungsvorgaben an vielen verschiedenen Stellen Wohnraum zu schaffen. Am Möhringer Bahnhof etwa verändern wir den Schwerpunkt von gewerblicher Nutzung auf Wohnungen.

    ... (Auszug)

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

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    FILDER-ZEITUNG vom 06.09.2004

    Bürgerliche Mehrheit für Baupläne am Rohrer Weg

    Fraktionschef der Freien Wähler im Stuttgarter Gemeinderat kündigt Zustimmung an - Bürgerinitiative appelliert an Bürgermeister Föll

    Möhringen. Obwohl inzwischen fast alle Grundstücksbesitzer am Rohrer Weg den Konditionen für eine Bodenneuordnung als Voraussetzung für eine Bebauung der Parzellen im Möhringer Westen zugestimmt haben, will die Schutz- gemeinschaft Rohrer Weg weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, um das Naherholungsgebiet zu erhalten.

    Als Reaktion auf die Berichterstattung unserer Zeitung hat die Bürgerinitiative nun noch einmal an Finanzbürgermeister Michael Föll appelliert, nach Alternativen zu suchen und “dieses unsinnige Projekt in der Schublade verschwinden zu lassen". Wie berichtet, ist es Föll in Gesprächen mit den bisher widerstrebenden Eigentümern offenbar gelungen, die Voraussetzungen für die rasche Aufstellung eines Bebauungsplans am Rohrer Weg zu schaffen. Bis auf zwei haben demnach inzwischen alle Grundstücksbesitzer der freiwilligen Umlegung zugestimmt, nachdem das Liegenschaftsami die Konditionen erheblich nachgebessert hatte.

    Die Bürgerinitiative zeigt sich dennoch überzeugt, dass “noch nicht alles verloren ist", immerhin hätten sich in den vergangenen Jahren zirka 6000 Bürger mit ihrer Unterschrift gegen den Bau von mehr als 300 Wohnungen in der für das Stadtklima wichtigen Kaltluftzone ausgesprochen. Die Schutzgemeinschaft setzt nun ihre Hoffnungen auf die durch die Kommunalwahl im vergangenen Juni geänderten politischen Rahmenbedingungen im Gemeinderat. Schließlich verfüge das so genannte bürgerliche Lager aus CDU, FDP und Freien Wählern lediglich noch über die Mehrheit von einer Stimme.

    Zudem widerspricht die Planung nach Einschätzung der Schutzgemeinschaft den vom Gemeinderat verabschiedeten Leitlinien für eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung. So ,sei im geltenden Flächennutzungsplan 2010 die “bewusste Gestaltung der Stadtränder und die Aufwertung der verbliebenen Freiräume" festgeschrieben. Unter Aufwertung stellt sich die Bürgerinitiative etwas anderes vor, etwa die Ausweisung der Flächen als Naturschutzgebiet.

    Dass es in der Frage Rohrer Weg auf dem Verhandlungsweg noch einen Kompromiss zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb geben könnte, gilt als unwahrscheinlich. Eine Schlüsselstellung nehmen daher die Freien Wähler ein: Stimmen sie der Aufstellung eines Bebauungsplans für die Streuobstwiesen und Äcker zu, ist das umstrittene Bauvorhaben wohl nicht mehr zu stoppen. Und genau danach sieht es laut Fräktionschef Jürgen Zeeb auch aus: “Ich denke, dass die Freien Wähler im Gemeinderat für eine Bebauung votieren werden." Wohnungen, gerade auch für so genannte Besserverdienende, seien ein “weicher Standortfaktor" für die wirtschaftliche Prosperität Stuttgarts, rechtfertigt Zeeb die Baupläne.

    Ob alle Kollegen der sechsköpfigen Fraktion der Maxime ihres Chefs folgen, dafür will Zeeb freilich nicht die Hand ins Feuer legen. Es könne durchaus sein, dass der eine oder andere Neuling sich der Stimme enthalte, spekuliert Zeeb. In diesem Fall käme der Stimme des Oberbürgermeisters - wer immer das nach der Wahl am 10.Oktober auch sein mag - eine entscheidende Bedeutung zu. Thomas Braun

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    FILDER-ZEITUNG vom 27.08.2004:
     

    Baugebiet am Rohrer Weg scheint beschlossene Sache

    Bis auf zwei Eigentümer haben die Grundstücksbesitzer ihren Widerstand gegen eine Bodenneuordnung aufgegeben

    Möhringen. Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll ist bei seinen Bemühungen um eine freiwillige Umlegung der Grundstücke am Rohrer Weg offenbar einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Föll zeigt sich optimistisch, dass der Gemeinderat möglicherweise schon zum Jahresende einen entsprechenden Bebauungsplan für das Areal im Möhringer Westen verabschieden kann.

    Bereits vor der Sommerpause hatte der für Liegenschaften zuständige Stellvertreter von OB Wolfgang Schuster im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen über Fortschritte bei den Gesprächen mit bis dato widerstrebenden Grundstückseigentümern berichtet. Demnach sind nur noch zwei von zuletzt fünf Besitzern von Parzellen am Rohrer Weg nach wie vor nicht bereit, der angestrebten Bodenneuordnung als Voraussetzung für den Bau von zirka 300 Wohnungen zuzustimmen. Deren Grundstücke liegen freilich eher am Rand des Neubaugebiets, sodass ihre Zustimmung nicht unbedingt erforderlich wäre.

    Gegenüber der Filder-Zeitung bestätigte Föll diese Angaben als “im Grundsatz richtig". Allerdings seien die Gespräche noch nicht endgültig abgeschlossen, einige Eigentümer hätten sich noch Bedenkzeit erbeten. Zugleich widersprach der Bürgermeister Darstellungen, wonach auf die Grundstücksbesitzer massiver Druck ausgeübt worden sei, der Umlegung zuzustimmen. Sogar von Drohungen mit dauerhaftem Baustopp war die Rede. Föll: “Ich arbeite nicht mit Drohungen, das entspricht gar nicht meinem Naturell." Es seien vielmehr Gespräche “auf gleicher Augenhöhe" mit dem Ziel geführt worden, einen Kompromiss am Rohrer Weg möglich zu machen.

    Auch die Familie von Maria Frank wollte ursprünglich der freiwilligen Umlegung nicht zustimmen. Sie besitzt 25 Ar Fläche mitten im Baugebiet am Rohrer Weg, die sie verpachtet hatte. Inzwischen haben auch die Franks klein bei gegeben. Die 74-lährige schimpft allerdings weniger auf den Finanzbürgermeister, sondern auf jene Landwirte, die die größten Flächen im Möhringer Westen besitzen und als erste ihre Unterschriften unter den Vertrag mit der Stadt gesetzt haben: “Wir wollten die Bebauung nicht, aber was kann der kleine Mann schon machen?", sagt Maria Frank resigniert.

    Dass die Streuobstwiesen in die Baupläne integriert werden könnten, wie es Baubürgermeister Matthias Hahn kürzlich beim Redaktionsbesuch der Filder-Zeitung angedeutet hatte, glaubt Maria Frank nicht: “Das sind zum Teil über 100 Jahre alte Bäume, wer will denn die schon in seinem Garten stehen haben?"

    Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg und der Naturschutzbund (NABU) hatten bis zuletzt mit Unterschriftensammlungen gegen eine Bebauung des Areals protestiert, das vom Stuttgarter Amt für Umweltschutz als klimatologisch wertvoll eingestuft worden war. Auch die Grünen im Gemeinderat sind aus ökologischen Gründen gegen Wohnungsbau an dieser Stelle. Ihr OB-Kandidat Boris Palmer hat erst jüngst vorgerechnet, dass in den vergangenen 35 Jahren der Bestand an Streuobstwiesen landesweit um 40 Prozent zurückgegangen ist. Selbst Amtsinhaber Wolfgang Schuster hatte noch im März bei der Jahresversammlung des Haus- und Grundbesitzervereins verkündet, er werde für Wohnungen, die in Stuttgart tatsächlich benötigt werden, keine Streuobstwiesen opfern. Wenn nicht alles täuscht, hat der OB offenbar die Rechnung ohne seine Parteifreunde auf der Bürgermeisterbank und im Gemeinderat gemacht.                                                                                            Thomas Braun
     

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    STUTTGARTER ZEITUNG vom 22.09.2004

    Interview mit dem OB-Kandidaten Boris Palmer über Großprojekte, den Verkehr, die Wohnsituation und über seine Kontrahenten Schuster und Kumpf

    ... (Auszug)

 

    Vielleicht gibt es ja andere Sachen, die Sie wirklich als OB steuern können. Wie soll denn die Stadt nach acht Jahren OB Palmer aussehen, welche Visionen haben Sie?

    Fangen wir mit dem Wohnen an. Es darf keine Neubaugebiete mehr in den wenig verbliebenen Grünzonen geben. Nicht im Rohrer Weg, nicht hinter dem Lehenviertel, auch nicht in Weilimdorf oder Stammheim.

      Aber die Stadt braucht Wohnraum.

    Natürlich brauchen wir Wohnraum. Aber wir sollten uns darauf konzentrieren, auf den vorhandenen Flächen gemischte Quartiere einzurichten. Da sind schon rund 500 Hektar ausgewiesen, auf dem Messegelände Killesberg, am Güterbahnhof Cannstatt, am West-bahnhof, Frauenklinik Berg und und und.Hier sollten wir innenstadtnah gemischte Quartiere einrichten und sie nicht Investoren geben, die tote Schlafstädte daraus machen.


      Sie denken an das Beispiel französisches Viertel in Tübingen.

    Man kann durchaus auch Ideen von kleineren Städten übernehmen, ja. Man darf solche Wohnparzellen nicht an Investoren nach dem Motto „wer zahlt am meisten" verscheuern. Man sollte sie Bürgern direkt für Bauherrengemeinschaften anbieten. Das wird billiger - und man kann darauf achten, dass eine Nutzungsmischung entsteht. Der Weg zum Einkaufen, zur Kindertagesstätte, zum Kulturzentrum muss kurz sein. Und damit Kinder spielen können, darf nicht jeder Wohnblock eine Tiefgarage haben, sondern man muss Quartiersgaragen schaffen.

    ...

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

 

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    STUTTGARTER NACHRICHTEN
    vom 24.09.2004
     

    Leser fragen:
    Ist Wohnungsbau auf Obstwiesen wie am Rohrer Weg vertretbar?

    Ich möchte in der Regel keine Entwicklung auf der grünen Wiese, sondern Neunutzung und Nachverdichtung vorhandener Flächen. Aus Verantwortung für die Umwelt wird Bauland in Stuttgart eine knappe Ressource bleiben. Wir haben alle verfügbaren Flächen erfasst, um vor allem die Brachflächen für Wohnungsbau recyceln zu können wie im Rosensteinviertel. Hier entstehen gerade 500 Wohnungen. Auch in Möhringen werden rund um den Bahnhof weitere 250 Wohnungen gebaut. Zudem haben wir eine Initiative zur Umwandlung von Büroflächen gestartet. Beim Rohrer Weg haben wir die tatsächliche Baufläche immer mehr eingeschränkt. Jedoch hat der alte Gemeinderat mehrheitlich das Planungsrecht für eine begrenzte Bebauung beschlossen. Für mich hat diese Bebauung aber keine Priorität. Nachverdichtung an anderen Stellen ist mir wichtiger.


    Wolfgang Schuster, CDU

    Wohnungsbau am Rohrer Weg ist nicht mehr vertretbar. Mit ihrer maßlosen Forderung, dieses einmalige Biotop mit Frischluftfunktion für die Stadtteile Hes-lach und Kaltental komplett zu überbauen, hat die konservative Mehrheit im Gemeinderat dieses Gebiet zum Symbol für beliebige Eingriffe in unsere Stuttgarter Freiflächen erhoben.
      Ein analoges Gebiet, nämlich der Greut-terwald im Stuttgarter Norden, wurde vor etwa 20 Jahren ebenfalls gerettet und steht heute unter Naturschutz. Im aktuellen Flä-chennutzungsplan gibt es jedoch auch wichtige Baugebiete, welche Streuobstwiesen enthalten.
      Was uns in Stuttgart fehlt, das ist die Erneuerung und die Neuanlage von Streuobstwiesen. Für ein solches Programm werde ich mich als Oberbürgermeisterin stark machen.

     

    Ute Kumpf, SPD

    Nein. Stuttgart hat bereits 50 Prozent seiner Gemarkung überbaut. Irgendwann ist Schluss. Ich bin entschieden gegen weitere Neubaugebiete in den wenigen verbliebenen Grünzonen, ganz besonders auf den Streuobstwiesen und in den Frischluftschneisen.
      Die bauliche Zukunft der Stadt liegt nicht in der Natur, sondern in den über 500 Hektar bereits identifizierter Brachflächen, alten Industrie- und Bahnarealen, deren erneute Nutzung keine Natur kostet, sondern nur politischen Willen und etwas mehr Anstrengung. Dort müssen Entwicklungsbereiche für Quartiere mit Wohnen, Gewerbe, Kultur und Versorgung ausgewiesen werden.
      Die fortgesetzte Zersiedelung unserer Landschaft können wir uns nicht mehr leisten. 583 Quadratmeter Flächenverbrauch pro Stunde in der Region sind zu viel.


    Boris Palmer, Grüne

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    FILDER-ZEITUNG vom 27.09.2004

    Palmer fährt Bahn statt Rad

    Möhringen (gr). Schlicht das Wetter hatte die Pläne von Boris Palmer, Kandidat der Grünen für den

    Sessel des Stuttgarter Oberbürgermeisters, zunichte gemacht. Kurzfristig musste er die geplante Radtour durch den Stadtbezirk Möhringen am Freitag absagen und per Stadtbahn zum Rohrer Weg fahren. Dort wurde er von Mitgliedern der „Schutzgemeinschaft Rohrer Weg" und des „Nabu" erwartet. „Es ist gut, dass es uns gelungen ist, den Rohrer Weg zum Wahlkampfthema zu machen", sagte Grünen-Stadträtin Ursula Marx. „Pro Stunde werden in der Region Stuttgart 583 Quadratmeter Fläche zubetoniert", erläuterte Palmer. Gerade auf den Fildern sei der Druck unter anderem durch die neue Landesmesse groß. Immer mehr Menschen zögen sich an den Stadtrand zurück, weil in der Innenstadt kaum noch Grünflächen vorhanden seien. „Der Rohrer Weg steht symbolisch für die Fortsetzung eines falschen Konzeptes in der städtebaulichen Entwicklung", sagte Palmer.                                                                                     Foto: Gabi Ridder

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

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    FILDER-ZEITUNG vom 06.10.2004

    Fragen an die Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart

    Frage 1: Werden Sie sich als OB für die Bebauung des Roher Wegs einsetzen?

    Wolfgang Schuster:
    Ich möchte in der Regel keine Entwicklung auf der grünen Wiese, sondern Neunutzung und Nachverdichtung vorhandener Flächen, wie beispielsweise am Bahnhof Möhringen. Mit dem neuen Gemeinderat möchte ich die Argumente gegen eine mögliche Bebauung am Rohrer Weg abwägen und intensiv diskutieren. Wir sollten uns dabei Zeit lassen. Für mich hat die Bebauung Rohrer Weg keine Priorität.

    Ute Kumpf:
    Nein. Hier handelt es sich um ein wichtiges Frischluftgebiet für die Stadt. Wir dürfen ihr nicht den    Frischlufthahn abdrehen. Die dringend nötigen Wohnungen  können  an  anderer Stelle, z.B. auf den ehemaligen Messeparkplätzen auf dem Killesberg ökologisch unbedenklich und ökonomisch sinnvoll gebaut werden.

    Boris Palmer:
    Nein. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um diese wertvolle Frischluftschneise und die  Obstbaumwiesen zu erhalten.

    Walter Weiblen:
    Die Bebauung des Rohrer Weges erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den berechtigten Verwertungsinteressen von Bodeneigentümern und künftigen Eigenheimbesitzern einerseits und dem Eingriff in die hochwertige Landschaft an dieser Stelle. Ich befürworte eine kleinere Lösung, indem das Baugebiet weiter reduziert wird. Dann würde ich die Bebauung für akzeptabel halten und unterstützen.

    Bernd Heidelbauer:
    Wenn ich dann OB bin, werde ich mich schnellstens in diese Materie einfinden und mich darum kümmern.

    Henning Zierock:
    Nein aus ökologischen Gründen, wegen der Streuobstwiesen und der Frischluftschneise.
     

    (7 weitere Fragen zum Fasenenhof, Vaihingen zum VfB und anderen Themen wurden aus Platzgründen hier weggelassen.)

    (Anmerkung: Die roten Hervorhebungen wurden von der Schutzgemeinschaft Roherer Weg e.V. vorgenommen.)

     

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    FILDER ZEITUNG vom 08.10.2004

    Schuster: Rohrer Weg beim
    Wohnungsbau nicht an erster Stelle

    OB-Kandidaten Ute Kumpf (SPD) und Boris Palmer (Grüne) wollen gegebenenfalls gegen Bebauung im Möhringer Westen stimmen

    Möhringen. Wahlkampftaktik oder Meinungsumschwung? Während die so genannte bürgerliche Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat bisher unbeirrt an dem geplanten Wohngebiet am Rohrer Weg festhält, geht OB Wolfgang Schuster (CDU) wenige Tage vor dem ersten Durchgang der OB-Wahl auf Distanz zu dem umstrittenen Vorhaben. In einem Brief an die Bürgerinitiative, die seit Jahren aus klimatologischen und ökologischen Gründen gegen die geplante Bebauung mobil macht, betonte der Amtsinhaber, das Thema stehe für ihn nicht an erster Stelle der politischen Agenda.

    Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg hatte die drei Kandidaten der im Gemeinderat vertretenen Parteien vor dem ersten Wahlgang am Sonntag angeschrieben und eine Stellungnahme eingefordert. Während Boris Palmer (Grüne) und Ute Kumpf (SPD) erwartungsgemäß ankündigten, im Falle ihrer Wahl im Gemeinderat gegen die geplante Bebauung stimmen zu wollen, äußerte sich der Amtsinhaber zwar ausweichend, aber deutlicher als zuletzt zu dem umstrittenen Vorhaben. Er habe sich mit Nachdruck um Wohnungsbau am Möhringer Bahnhof und auch am Probstsee bemüht, schrieb Schuster, Er werde mit dem neuen Gemeinderat die Argumente in Sachen Rohrer Weg „abwägen und intensiv diskutieren". Im Übrigen, so Schuster, stehe nur noch ein „kleiner Teil des Geländes" für die Bebauung zur De-batte. Und dann folgt der Satz, den man so vom Stuttgarter Rathaus-Chef noch nicht gehört hat: „Auch diese reduzierte Bebauung hat für mich keine Priorität."

    Die Antwort des OB steht allerdings im krassen Gegensatz zu den Aktivitäten seines Stellvertreters: Finanzbürgermeister Michael Föll hatte sich in den vergangenen Wochen mit Nachdruck und offenbar auch erfolgreich für eine freiwillige Umlegung der Grundstücke am Rohrer Weg engagiert (die Filder-Zeitung berichtete), die Voraussetzung für die geplante Bebauung ist. Schuster hatte bisher lediglich betont, er sei gegen eine so genannte Zwangsumlegung.

    Das ist allerdings sogar innerhalb der CDU Konsens, die das neue Wohngebiet aber ansonsten für unerlässlich hält, um die Nachfrage nach Wohnraum in den Stuttgarter Fildervororten zu befriedigen. Dagegen haben Bedenken des städtischen Umweltamts gegen das Zubauen der Kaltluftschneise bisher in den Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

    Ungeachtet, der Spekulationen um eine weitere Reduzierung des Bauvolumens plant die Stadt nach Informationen unserer Zeitung weiterhin auf Basis der so genannten T-Shirt-Variante unter Einbeziehung eines Teils der Streuobstweisen. Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg spricht von „Salamiaktik" und befürchtet, dass nach einer begonnenen Randbebauung nach und nach auch die verbleibende Restfläche dem Wohnungsbau geopfert werde.      Thomas Braun
     

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    STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 07.10.2004

    Palmer will Akzente setzen

    100-Tage-Programm: Stopp für Baugebiete und U 15

    Der Grüne OB-Kandidat Boris Palmer will bereits in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit Akzente setzen. “Der Politikwechsel muss erkennbar werden", sagte Palmer am Mittwoch vor dem Rathaus. Der Kandidat hatte zur Pressekonferenz 583 Quadratmeter Rollrasen auslegen lassen.

    VON KONSTANTIN SCHWARZ

    583 Quadratmeter, diese Freifläche werde stündlich in der Region einschließlich der Landeshauptstadt zugebaut. “Wir müssen das stoppen, wir haben in Stuttgart genügend Möglichkeiten, auf Brachflächen auszuweichen" /kündigt Palmer für den Fall seiner Wahl das “planungsrechtliche Ende" für diverse Neubaugebiete an. An erster Stelle steht der Rohrer Weg in Möhringen. Auf den Brachen in Stuttgart sei Platz für 45 000 Menschen und 15 000 Arbeitsplätze.

    Der 32-Jährige traut sich im ersten Wahlgang am kommenden Sonntag “mindestens den zweiten Platz" zu. “OB Schuster wird unter den 43 Prozent von 1996 bleiben, da bin ich mir sicher", sagt er selbstbewusst.

    Als “erste Amtshandlung" will Palmer veranlassen, dass Bürgeranfragen ans Rathaus beantwortet werden. “Jen habe eine dreistellige Zahl von Menschen getroffen, die sagten, sie hätten an den OB geschrieben und keine Antwort erhalten", so Palmer.

    Die von OB Wolfgang Schuster gebildete Stabsstelle will Palmer reduzieren. Er wolle die Stadtverwaltung zu einer “motivierten Einheit" formen, die “die Rückendeckung des OB hat", so der Grüne.

    Nicht nur bei den Plänen für Neubaugebiete, auch bei der U-15-Planung will der Kandidat die Notbremse ziehen. Als Alternative müsse eine Niederflur-Straßenbahn geprüft und der U-15-Tunnel in Zuffenhau-sen zur Disposition gestellt werden. “Die Bürger wollen ihn nicht", sagt Palmer. Stuttgart 21 will er per Bürgerentscheid stoppen. Die Stadt könne hier angesichts von Mehrkosten “entschädigungsfrei aussteigen".

    Lösen will Palmer auch das Problem der Mülltransporte nach Stuttgart. Sie sollen

    Abfallwirtschaft und Krankenhausplanung

    auf der Schiene erfolgen. Dazu werde er in den betroffenen Kreistagen sprechen. 15 Euro Mehrpreis pro Jahr und Tonne müsse der Umweltschutz den Anlieferern wert sein. Palmer will zudem “mehr Region wagen". Abfallwirtschaft und Krankenhausplanung gehörten zum Beispiel in die Hand der Region.

    Kümmern will sich der Landtagsabgeordnete nicht zuletzt um eine Alternative für Jugendliche, die bisher das Haus Obere Weinsteige 9 in Degerloch nutzten, und um den örtlichen Handel. “Kommendes Schuljahr erhalten die Stuttgarter Buchhändler wieder alle Aufträge für Schulbuchlieferungen. Das Risiko eines Rechtsstreits nehme ich gern in Kauf", so Palmer angriffslustig.

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    STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 08.10.2004

    Wohnungsnachfrage
    bricht ein

    Deutlicher Rückgang von Förderanträgen bei Stadt - Verbraucherzentrale warnt

    Die Nachfrage nach von der Stadt geförderten Reihenhäusern und Eigentumswohnungen entwickelt sich 2004 deutlich schlechter als in den Vorjahren. Interessenten zögern. “Die Verunsicherung ist da, die Wirtschaftslage wirkt sich aus", sagt Erhard Brändle, der stellvertretende Leiter des Amts für Liegenschaften und Wohnen.

    VON KONSTANTIN SCHWARZ

    Je nach Einkommen der Bewerber gibt die Stadt ihre Grundstücke am Südheimer Platz in Heslach, an der Paradiesstraße in Vaihingen und an der Falchstraße in Steinhaldenfeld um 15 bis 45 Prozent unter dem Verkehrswert ab. Insgesamt stehen 50 Häuser und 30 Wohnungen auf der Förderliste. Durch die Subvention, die die Stadt 2004 insgesamt vier Millionen Euro kostet, kann ein Reihenhaus mit "130 Quadratmeter

    Wohnfläche samt Grundstück und Garage bereits für 250 000 Euro erworben werden.

    Mit dem Förderprogramm preiswertes Wohneigentum sollen junge Familien in der Stadt gehalten werden. Sie strecken ihre Fühler auf der Suche nach den eigenen vier Wänden bevorzugt in die Region aus.

    “Unser Programm war anfangs fünffach überzeichnet. In den letzten drei Jahren hat sich die Nachfrage allerdings reduziert", sagt Brändle. 2003 wurden Objekte sogar an Interessenten abgegeben, die die Einkommensgrenzen überschritten. Das Bruttoeinkommen darf zum Beispiel bei einer vierköpfigen Familie 75 000 Euro nicht übersteigen.

    “Was wir hier anbieten, ist attraktiver als ein Haus oder eine Wohnung im Umland", wirbt Brändle. Die Lagen im Süden, in Vaihingen und Steinhaldenfeld seien “erstklassig", die Angebote hervorragend. Als besonderes “Bonbon" könne für jedes zweite der 23 Reihenhäuser in Vaihingen ein bisher von der Stadt verpachtetes Gartenstück für rund 60 Euro pro Quadratmeter zusätzlich erworben werden.

    Auch das Familienbauprogramm, bei, dem die Stadt bis zu 16 000 Euro für den Kauf einer Wohnung zuschießt, läuft schleppend, und selbst beim Landeswohnungsbauprogramm, das im September 2003 überzeichnet war, ist im Oktober 2004 noch Luft. “Beim Familienbauprogramm könnten wir noch rund 100 Antragsteller fördern", sagt Brändle.

    Interessenten sehen den Grund für die Zurückhaltung auch in den Förderbedingungen. Beim preiswerten Wohneigentum seien sie nicht nachvollziehbar, klagt eine junge Frau. Wer noch keine fünf Jahre verheiratet sei, der verringere damit sein Bruttoeinkommen um 4000 Euro und rücke so einer höheren Förderung näher. “Was bitte hat das mit der Definition junge Familie zu tun?", fragt die dreifache Mutter, die seit sechs Jahren verheiratet ist.

    “Unsere Vorgaben gleichen denen der Landesförderung. Und die sind nun mal etwas konservativ hier", sagt Ulrich Bartenbach vom Amt für Liegenschaften und Wohnen. Gleichwohl hat die Stadt ihre Förderbedingungen in den letzten 20 Jahren (so länge gibt es die Grundstücksverbilligung schon) mehrfach geändert. Waren früher zwei Kinder nötig, um verbilligtes Bauland zu erhalten, genügt nun eines. Auch Alleinerziehende werden inzwischen bedacht.

    “Unser Antragsschluss ist am 22. Oktober", sagt Brändle. So soll es Familien noch möglich sein, die Eigenheimzulage des Bundes zu erhalten. Vor derartigen Schnellschüssen allerdings warnt die Verbraucherzentrale. “Man sollte sich nicht wegen Förderungen zum Kauf hinreißen lassen", sagt Berater Markus Lietz. In seiner Sprechstunde häuften sich “notleidende Baufinanzierungen". Lietz: “Die Leute haben oft erst vor zwei Jahren gekauft. Die wollten da mals unbedingt noch die Eigenheimzulage mitnehmen."
    Informationen zum städtischen Angebot unter Telefon 216 - 22 23 und - 68 51.

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    STUTTGARTER ZEITUNG vom 13.10.2004

    Das Sechs-Punkte Programm von Grünen und CDU

    Von Stuttgart 21 über die Integration von Ausländerkindern und den Städtebau bis zu den Mülltransporten nach Münster
     

    OB Wolfgang Schuster und Grünen-Kandidat Boris Palmer haben am Montag ein Sechs-Punkte-Programm ausgehandelt und gestern veröffentlicht. Dabei geht es um Stuttgart 21
    um die Kulturmeile, um Mülltransporte, Flächenverbrauch und die die Stadtentwicklung.

    Von Thomas Borgmann

    Mehrere Stunden haben Boris Palmer und OB Schuster am Montag verhandelt - erst unter vier Augen, dann im Beisein namhafter Vertreter von CDU und Grünen: Für die CDU wären Kreischef Christoph Palmer, sein Stellvertreter Thomas Bopp, Fraktionschefin Susanne Eisenmann und Finanzbürgermeister Michael Föll dabei, für die Grünen Kreischefin Brigitte Lösch, Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann, Bürgermeister Klaus-Peter Murawski sowie Ursula Marx und Werner Wölfle, die Vorsitzenden der Ratsfraktion. Dann hat der Kreisverband der Grünen in Anwesenheit von 30 führenden Mitgliedern das Sechs-Punkte-Programm einstimmig gut geheißen. Nachfolgend dieses Programm, das beide Seiten gemeinsam tragen:
    Stuttgart 21: Die ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm ist absolut unverzichtbar. Pal-mer: „OB Schuster hält leider am Durchgangsbahnhof fest, den ich für illusionär halte. Immerhin hat er nach juristischer Prüfung durch die Stadt bestätigt, dass ein Bürgerentscheid über Mehrkosten im Sinne einer “wichtigen Gemeindeangelegenheit” rechtlich möglich wäre, wenn erhebliche Kostensteigerungen auf die Stadt zukommen." Schuster ergänzt: „Für Kostensteigerungen gibt es gegenwärtig keine Anhaltspunkte. Wenn es sie gibt, muss der Gemeinderat entscheiden. Ich bin bereit, dann die Bürger einzubeziehen.”
    Integration von Ausländerkindern: Eine der Herausforderungen für die Zukunft ist die Integration von Kindern mit Migrations-hintergrund. Hier gibt es einen Nachholbe-darf, noch stärker als bei der Kinderbetreuung generell. Es ist nötig, flächendeckend Sprachförderung vor der Einschulung anzubieten. Dafür wird sich die Stadt beim Land einsetzen. Schuster betont, dass dies in seinem Wahlprogramm steht.
    Moderner Städtebau: Stuttgart muss innovative Entwicklungen aufgreifen, dabei gilt Innenentwicklung vor Aügenentwicklung. Statt Neubaugebieten auf Obstbaumwiesen werden künftig innerstädtische Brachflächen bebaut. Dafür eignen sich besonders der Güterbahnhof in Cannstatt und das alte Messegelände auf dem Killesberg. Ziel ist das nutzungsgemischte Stadtquartier der kurzen Wege, das Bauwilligen wieder die Chance gibt, in der Stadt zu bleiben, anstatt aufs Land zu fliehen.
    Flächenverbrauch: Stuttgart muss bei der Verringerung des Flächehverbrauchs eine Vorbildrolle in der Region einnehmeh. Neubaugebiete auf Streuobstwiesen wie am
    Rohrer Weg in Möhringen sind nicht mehr zeitgemäß. Die Bebauung des Rohrer Wegs ist vom Tisch. Richtig und wichtig ist hingegen die Entwicklung am Möhringer Bahnhof.
    Kulturmeile / B14:
    Stuttgart muss diese Wunde schließen. Die Anbindung der Kulturmeile an die Innenstadt wäre städtebaulich und aus Imagegründen ein riesiger Gewinn. Im Bereich der Hamptstätter Straße ist eine Wiederherstellung der alten Straßenzüge durch eine Überbauung wünschenswert. Das Hospitalviertel eignet sich ideal, um neuen Wohnraum in der City zu schaffen. Es gibt die erklärte Bereitschaft, in den nächsten Jahren mit einer vollständigen Oberdeckelung der B 14 im Bereich der Kulturmeile zu beginnen. Schuster erklärt: „Es ist sinnvoll, zunächst die Untertunnelung der Kulturmeile anzugehen. Diese Ansicht teile ich, alles andere ist Zukunftsmusik."
    Mülltransporte: Der Bevölkerung sind Mülltransporte über lange Strecken auf der Straße nicht zuzumuten. Die Anlieferung des Mülls aus den Kreisen Reutlingen, Tübingen, Zollernalb und vom Bodensee nach Münster muss auf der Schiene geschehen, wenn das ausstehende Gutachten der Universität Stuttgart die technische Machbarkeit bestätigt. Mehrkosten sind für die anliefernden Landkreise in geringem Urnfang zumutbar, weil deren Entsorgyngskosteri in Münster trotz Bahntransports günstiger sein werden als die Müllgebühren für die Stuttgarter Bürger. Deshalb ist die politische Initiative in den Kreistagen der Anlieferkreise für den Bahntrantransport Chefsache im Stuttgarter Rathaus.
     

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    FILDER ZEITUNG vom 15.10.2004

    Wohnungsbau am Rohrer Weg komplett passé

    CDU und Grüne beantragen Stopp des Umlegungsverfahrens - Frischluftschneise im Möhringer Westen bleibt vollständig erhalten

    Möhringen. CDU und Grüne im Stuttgarter Rathaus wollen weiteren Spekulationen um das umstrittene Baugebiet am Rohrer Weg vorbeugen. In einem gemeinsamen Antrag, der am 28. Oktober im Gemeinderat behandelt wird, fordern sie die Einstellung des Verfahrens zur freiwilligen Umlegung. Das bedeutet faktisch das Aus für das gesamte Neubaugebiet.

    Entgegen bisheriger Informationen ist nicht nur die Bebauung der Streuobstwiesen im Möhringer Westen vom Tisch. Auch für die Wiesen und Felder, die sich zwischen Rohrer Straße und Heilbrunnenstraße erstrecken, sollen die Wohnungsbaupläne nicht weiter verfolgt werden. Nach dem ersten Durchgang der Stuttgarter OB-Wahlen hatte es zunächst widersprüchliche Äußerungen gegeben, die darauf schließen ließen, dass lediglich der Teil des rund zehn Hektar großen Gebiets aus der Bebauung ausgeklammert wird, auf dem rund 400 Obstbäume wachsen/Doch inzwischen bestätigte CDU-Fraktionschefin Susanne Eisenmann gegenüber unserer Zeitung, dass auf die gesamte Bebauung verzichtet werde - “aus klimatologischen Gründen", so die gemeinsame Sprachregelung von schwarz-grün.

    Dass OB Schuster schon immer ein Gegner der Bebauung gewesen sei, wie jetzt kolportiert wird, ist freilich nur die halbe Wahrheit. Zwar hat der Rathaus-Chef nie ein Hehl aus seiner Abneigung gegen eine Zwangsumlegung der Grundstücke gemacht, die Voraussetzung für eine Bebauung ist. Zuletzt hat er geäußert, eine Bebauung der Streuobstwiesen habe für ihn “keine Priorität". Doch mit Rücksicht auf seine Fraktion und seinen Stellvertreter Michael Föll, die sich vehement für eine zumindest teilweise Bebauung des Areals und für eine freiwillige Umlegung engagiert hatten, blieb Schuster in der Sache stets unverbindlich: Die ebenfalls für Wohnungsbau vorgesehenen Äcker südlich der Streuobstwiesen erwähnte er bei seinen vorsichtigen Distanzierungsversu-chen bis zuletzt mit keinem Wort.

    Erst unter dem Eindruck des sich abzeichnenden Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen ihm und seiner SPD-Herausforderin Ute Kumpf gelang es dem CDU-Amtsinhaber, in seiner Partei eine Mehrheit für einen totalen Stopp der Planungen am Rohrer Weg zu organisieren. Die SPD-Fraktion, die sich

    ebenfalls auf die Seite der Bebauungsgegner geschlagen hatte, drängt nun darauf, das Thema bereits nächste, Woche im Umwelt-ausschuss zu behandeln, um das Baugebiet noch vor dem zweiten Wahlgang am 24. Oktober ein für alle Mal zu beerdigen.

    Entsprechend groß ist die Freude bei der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, die in ihrer Zusammensetzung durchaus Parallelen zur schwarz-grünen Koalition im Rathaus aufweist: Während einerseits Naturschützer die Erhaltung der, klimatologisch wichtigen Frischluftschneise forderten, wehrten sich andere vornehmlich dagegen, dass ihnen die Aussicht aufs freie Feld verbaut werden sollte. In einer Erklärung begrüßte die Initiative die Abkehr von den Bauplänen als “Symbol für einen Umdenkungsprozess im bürgerlichen Lager der Gemeinderatsfraktionen". Entsetzen herrscht dagegen bei jener Minderheit der Grundstücksbesitzer, die unbedingt bauen wollte: “Da werden aus rein wahltaktischen Gründen Zusagen nicht eingehalten", sagt Joachim Wenzelburger, einer der Eigentümer. Er fühle sich vom OB und von der CDU “verraten und verkauft". Wem, so fragt Wenzelburger, “kann man denn in dieser Stadt noch trauen?"                         Thomas Braun

 

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    FILDER-ZEITUNG vom 27.10.2004

    Steht Rohrer Weg bald unter Landschaftsschutz?

    Möhringen (bra). Die endgültige Entscheidung über die Ausweisung der Streuobstweisen am Rohrer Weg als Teil des Landschaftsschutzgebiets Glemswald fällt erst in der Vollversammlung des Gemeinderats am morgigen Donnerstag. Zur Begründung sagte CDU-Stadtrat Roland Schmid im Ausschuss für Umwelt und Technik, seine Fraktion habe noch nicht abschließend über den entsprechenden Vorschlag der Verwaltung beraten. Dieser sieht vor, das Verfahren zur freiwilligen Umlegung am Rohrer Weg sowie das Bebauungsplanverfahren einzustellen und das Areal im Möhringer Westen im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche mit Ergänzungsfunktion zu deklarieren. Letzteres entspricht einer Empfehlung des Regierungspräsidiums Stuttgart.

     

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    Stuttgarter Wochenblatt vom 28.10.2004 (44/2004)

“Rohrer Weg” bringt Schuster in Möhringen 10 Prozent mehr

Der hitzige Streit um die Streuobstwiesen scheint endlich ein Ende zu haben

    MÖHRINGEN - Kaum etwas erhitzte die Möhringer Gemüter in den letzten Jahren und Monaten so sehr wie die Frage nach der Zukunft der Obstbäume auf dem Rohrer Weg.

    Der Kampf um die Erhaltung der ökologisch und kliatologisch wertvollen Streuobstwiesen kostete die Bewohner und die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg viel Kraft und Energie. Aufrufe der Schutzgemeinschaft wurden von den Bürgern erhört, Protestaktionen unterstützt. Keiner wollte zulassen, dass die “grüne Lunge” zugebaut wird.

    Alle Mühe scheint sich jetzt gelohnt zu haben. Zum bürgerlichen Engagement kamen noch die unerwarteten Folgen des Rückzugs des OB-Kanidaten Boris Palmer erleichternd dazu. Oberbürgermeister Schuster sicherte dem Grünen-Politiker zu, dass die Bebauung ad acta gelegt werde, wenn er - wie nun eingetreten - bei einer Neuwahl die Entscheidung darüber treffen könne. Und er hielt sein Wort. Und wurde dafür im Vorfeld hinreichend beohnt: Bei der zweiten OB-Wahl am vergangenen Sonntag legte Schuster im Stadtteil Möhringen nach seinem Versprechen mehr als zehn Prozentpunkte zu.

    Und jetzt kann, im wahrsten Sinne des Wortes, tief durchgeatmet werden. Wenn auch nicht in Reihen der CDU und der FDP, die sich monatelang für die Bebauung ausgesprochen hatten.

    Doch so wirklich endgültig kann der Knopf erst am heutigen Tage dran gemacht werden. In der heute, Donnerstag, 28. Oktober, stattfindenden 28. Gemeinderatsvollversammlung wird die Sache “Rohrer Weg" endgültig besiegelt - sehr wahrscheinlich zugunsten der Streuobstwiesen. Der Umwelt- und Technikausschuss wird natürlich klar Position beziehen und sich gegen die Bebauung aussprechen.

    “Normalerweise übernimmt die Vollversammlung die Anliegen und Vorschläge des UTA", so Heinz Kipfer von der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg. Es müsste also schon sehr schlecht laufen, wenn der Beschluss nicht durchginge.

    “Doch in solchen Situationen zitiere ich Adenauer immer wieder gerne. Schuster ist wieder gewählt, er könnte ja ebenso sagen: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!"

    Wirklich aufatmen kann Kipfer also erst nach der Versammlung. Dennoch scheinen ihm schon einige Steine vom Herzen gefallen zu sein - zu lang müsste er doch in der Achterbahn der Gefühle mit fahren.              si

 

    STUTTGARTER ZEITUNG vom 29.10.2004

Gemeinderat bewahrt die Streuobstwiesen am Rohrer Weg

Nur Freie Wähler und FDP wollen Wohnungsbau am Möhringer Ortsrand -
Erfolg des ehemaligen OB-Kandidaten Boris Palmer

    Freud und Leid sind gestern im Rathaus dicht beieinander gelegen. Während die Bürgerinitiative Rohrer Weg nach dem Gemeinderatsbeschluss gejubelt hat, weil das Gebiet nicht bebaut wird, herrschte bei den Grundstücksbesitzern Katzenjammer.

    Von Jörg Nauke

    Alle fünf Punkte des Beschlussantrags haben im Gemeinderat eine Mehrheit gefunden. Damit ist eine jahrzehntelange Diskussion um die Bebauung der Felder, Wiesen und Äcker am Rohrer Weg zu Ende gegangen. Die freiwillige Umlegung, zu der sich am Schluss die Eigentümer bereit erklärt hatten, wird nun doch nicht durchgeführt; es wird weder der Flächennutzungsplan noch der Bebauungsplan geändert. Und um die klimatologisch bedeutenden Flächen dauerhaft dem privaten Zugriff zu entziehen, wird das Landschaftsschutzgebiet Glemswald auf “die schutzwürdigen Bereiche im Westen von Möhringen ausgedehnt”.

    Dass gestern Fraktionsvize Roland Schmid in einer kurzen Stellungnahme für die CDU das Ende der Baubemühungen erklärte, obwohl seine Fraktion diese bis vor kurzem “für machbar und vertretbar hielten, ist eine Nachwehe des OB-Wahlkampfs. Der Grünen-Kandidat Boris Palmer hat seinen Rückzug nach dem ersten Wahlgang und eine Empfehlung für OB Schuster auch davon abhängig gemacht, dass die Christdemokraten das Gebiet am Ortsrand von Möhringen unbebaut lassen. Fraktionschefin Susanne Eisenmann stimmte schweren Herzens zu, OB Wolfgang Schuster ist das leichter gefallen, für ihn habe der Rohrer Weg nie Priorität besessen. Ziel sei die Innen- vor der Außenentwicklung, sprich: Es sollen erst die Brachfläehen in der Stadt bebaut werden, bevor die Ränder versiegelt werden. Roland Schmid nannte als Beispiele das Messegelände Killesberg, das Cannstatter Güterbahnhofgelände und das Listheimareal rnit der ehemaligen Cannstatter Chirurgie.

    SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter war zufrieden, dass eine langjährige Forderung seiner Partei erfüllt werde. Der Beschluss werde von einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung getragen, “der eine oder andere wird es natürlich bedauern", nahm Kanzleiter Bezug auf die Bürger, die Millionen Euro verloren, weil sie weiter nur Grünfläche statt Bauland besitzen und von einem “Wortbruch" und “Kuhhandel" sprachen. “Aber es gibt nun einmal keinen Anspruch auf ein Planungsrecht." Dies sei der erste Baustein für einen “Filderpark”.

    Grünen-Chefin Ursula Marx betonte die “hohe Klimarelevanz" und hob das Engagement der Bürgerinitiative gegen eine Bebauung hervor, während Freie Wähler und FDP sich für die Eigentümer einsetzten. Die Bebauung sei notwendig, sagte Jürgen Zeeb (Freie Wähler). Stuttgart brauche “Gebiete für Häuslesbauer". Man könne diese Flächen nicht mit innerstädtischen Brachen aufrechnen. FDP-Stadtrat Matthias Werwigk sprach von einem “Salto rückwärts" des Gemeinderats. Junge Familien müssten sich nun außerhalb Stuttgarts Grundstücke suchen. Die Stadt sei vertragsbrüchig geworden. Der Beschluss sei ein “gefährlicher Vorgang", der nun dort Nachahmer finden werde, wo Hausbesitzer die Wiese in ihrer Nachbarschaft vor einer Neubebauung schützen wollten.

     

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      FILDER-ZEITUNG vom 29.10.2004

Rohrer Weg bleibt Frischluftschneise

    Möhringen (bra). Jetzt ist es amtlich: Das für Wohnungsbau vorgesehene Areal am Rohrer Weg bleibt vollständig unbebaut. Eine Mehrheit aus CDU, Grünen und SPD im Stuttgarter Gemeinderat stimmte gestern einer Verwaltungsvorlage zu, in der die Einstellung des Bebauungsplanverfahren vorgeschlagen worden war. Darüber hinaus wird der komplette Bestand an Streuobstwiesen dem Landschaftsschutzgebiet ”Glemswald” zugeschlagen. Lediglich die Vertreter der Freien Wähler und der FDP stimmten gegen die Aufgabe der Baupläne. Die Entscheidung nannte FDP-Rat Matthias Werwigk einen “ökologischen Schildbürgerstreich, der junge Familien aus der Stadt vertreibt."

    Bekanntlich hatte der gescheiterte OB-Kandidat der Grünen, Boris Palmer, nach dem ersten Wahlgäng der Stuttgarter OB-Wahl dem Amtsinhaber Wolfgang Schuster (CDU) den Verzicht auf die von den Grünen bekämpfte Bebauung abgerungen. Bis dato hatten sich vor allem die CDU-Fraktion und Finanzbürgermeister Michael Föll vehement für den Bau eingesetzt. CDU-Stadtrat Roland Schmid sieht nun die Zukunft vor allem in der “Bebauung im Bestand”.


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