FILDER-ZEITUNG  11. August 2008:

    Naherholung und Apfelsaft
    statt Wohnbebauung


    Ehrenamtspreis Teil 3: Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg

    Möhrlngen. Seit knapp fünf Jahren kämpft die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg gegen die Bebauung der Streuobstwiesen und Felder am Westrand des Stadtteils. Die Initiative pflanzt Jungbäume, organisiert Obstbörsen und sammelt Unterschriften für den Erhalt.

    Von Gabi Ridder

      
    Mit Protestaktionen, 7000 Unterschriften und Druck auf politische Entscheidungsträger hat die Bürgerinitiative 2002 zumindest den großen Wurf einer Bebauung der Streuobstwiesen und Felder am Rohrer Weg verhindert. Seitdem kümmern sich die Mitglieder um die Pflege der Wiesen und Bäume im Naherholungsgebiet vieler Möhringer und Innenstadtbewohner, pflanzen jungbäume nach, übernehmen Baumpatenschaften, veranstalten Baumschnittkurse unter Anleitung der Obstberatung der Stadt Stuttgart, organisieren Obstbörsen und Apfelannahmestationen in Kooperation mit dem Förderkreis Stuttgarter Apfelsaft. "In Möhringen gibt es noch zwölf Landwirte, acht leben komplett von der Landwirtschaft. Auch für sie sind die Streuobstwiesen wichtig, weil sie dort einen Teil ihres Heus für Pferde und Rinder gewinnen", ergänzt das Schutzgemeinschaftsmitglied Ursula Minges. Zur Finanzierung der Projekte werden auf dem Weihnachtsmarkt und beim Fleckenfest Möhringer 'Herbst Kalender verkauft und Fotowettbewerbe veranstaltet.

    Ehrenamt

       73 Vogelarten brüten am Rohrer Weg, der ihnen als Rast- und Nahrungsgebiet dient, unter anderem Halsbandschnäpper, Mittelspecht und Wendehals, der sich von Ameisen ernährt, die in den Streuobstwiesen leben. In Zusammenarbeit mit dem Nabu laden die 35 Mitglieder zu Vogelführungen ein und informieren regelmäßig die Bevölkerung vor Ort über die Bedeutung des Gebiets. "Wir beseitigen die gewachsene Wildnis nur in Maßen,' weil wir Totholz als Rückzugs-, Nahrungs- und Nistmöglichkeit erhalten", erläutert Ursula Minges.

       2004 hat das Regierungspräsidium Stuttgart reagiert und die Fläche dem Landschaftsschutzgebiet Glemswald zugeschlagen, auch weil es aus klimatologischer Sicht für Tausende Stuttgarter wichtig ist. Nachts wird auf der Freifläche zwischen dem Gewerbegebiet Wallgraben und dem Westrand von Möhringen Kaltluft produziert, die im Sommer den Stadtkessel kühlt. Die Fachleute messen der Bedeutung der Streuobstwiesen an Ortsrändern aufgrund des Klimawandels zunehmend Bedeutung als wichtige Kaltluftschneisen bei.

       Dennoch steht das Gebiet seit vergangenem jahr trotz offiziellen Bauverbots erneut zur Disposition. "Den. Beschluss des Verwaltungsgerichts, der drei Mehrfamilienhäuser entlang der Udamstraße und die Option auf vier weitere zulässt, konnten wir leider nicht verhindern", sagt Ursula Minges. Und weitere Probleme sind auch noch nicht vom Tisch. Für zwei Jahre liegt eine Veränderungssperre über dem Gebiet, das während dieser Zeit neu überplant werden muss, um eine zusätzliche Bebauung, etwa im südlichen Teil der Udamstraße, für die Zukunft komplett auszuschließen.

       Im Gemeinderat hat sich für diese Entscheidung mittlerweile eine breite Mehrheit ausgesprochen. "Wir befinden uns daher derzeit in Phase zwei", sagt der Schutzgemeinschaftsvorsitzende Norbert Michel. Man müsse nun erneut und verstärkt den Kontakt zu Ämtern und politischen Entscheidungsträgern pflegen, bis der Plan Rechtskraft erlangt habe.

       "Es geht darum, Zeichen zu setzen, damit die Stadt die Chance wahrnimmt und den schweren Eingriff in den Klima- und Artenschutz verhindert", so Michel. Und seine Mitstreiterin Ursula' Minges hegt die Vision: "Weil wir das finanziell nicht leisten können, sollte die Stadt Grundstücke von Bauberechtigten aufkaufen, die Eigentümer entschädigen, für Äcker und Wiesen ein Schutzprogramm erstellen und ehrenamtliche Helfer - auch die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg - für die Pflege integrieren."
     

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    Stuttgarter Zeitung 30. Oktober 2008:

    „Ohne frische Luft gibt es kein Wohlfühlwetter“

    Ein empfindliches System versorgt die Stuttgarter Innenstadt mit Sauerstoff – Jedes kleine Grün wird dringend gebraucht

    Nachts atmet Stuttgart durch: Frische Luft drückt den täglichen Abgasmief und die über den Dächern lastende Wärmeglocke aus der Stadt. Der Klimatologe Jürgen Baumüller hat die empfindlichen Atemwege 30 Jahre lang untersucht. Er weiß genau, woher in Stuttgart der Wind weht.

    Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt

    Frischluftschneise

    Die unsichtbare Wand ist fast hundert Meter hoch und fast ebenso breit. Langsam schiebt sich die Kaltluftfront nachts an Vaihingen vorbei durch das Nesenbachtal über Kaltental in Richtung Kessel. In Heslach bremsen die ersten Häuser die Luftlawine leicht ab. Der Kaltluftstrom spaltet sich auf, ein Teil strömt über den Hasenbergbuckel in den Westen, der größere fließt mit drei bis vier Kilometern pro Stunde durch die parallel zum Nesenbach verlaufenden Straßenzüge in die Innenstadt und zerfasert immer mehr.

     „Das Nesenbachtal ist Stuttgarts wichtigste Frischluftschneise“, sagt Jürgen Baumüller, der ehemalige Leiter der städtischen Klimatologie im Umweltamt. Der 65-Jährige, der Ende September in Ruhestand gegangen ist, weiß ganz genau, wie in Stuttgart der Wind weht. „Nachts füllt sich der Innenstadtkessel mit Kaltluft“, so Baumüller. Die ströme über die begrünten Bänder in der Halbhöhe und durch die Täler von der Filderebene und umliegenden Waldgebieten in die tiefer liegende Innenstadt. „Dann atmet der Kessel durch“, sagt Baumüller.

    Doch die schwere und deshalb bodennah fließende Kaltluft ist sehr empfindlich gegen Störungen. Vor allen hohe und quer stehende Gebäude bremsen den Kaltluftstrom nicht nur ab. „Sie heizen ihn auch auf, weil der Stein- und Asphaltdschungel Stadt bis zu sechs Grad Celsius wärmer als das Umland ist“, so Baumüller. „Dabei erwärmt sich die Kaltluft und steigt auf. Dann fehlt der frische Wind, der den abgestandenen und schadstoffträchtigen Mief aus der City hinausdrückt.“

    Im Stuttgarter Kessel ist der gewaltige Kaltluftstrom aus dem Nesenbachtal im Mittleren Schlossgarten zu Ende, aufgebraucht durch den innerstädtischen Hindernisparcours. „Eine geringe Menge erreicht noch den Nordbahnhof“, so Baumüller. Aber das im Windschatten der City liegende Bad Cannstatt bekomme davon nichts mehr ab. „Deshalb sind dort die lokalen Frischluftschneisen so wichtig“, betont der Klimatologe. Nennenswerte Kaltluftmengen für das erwärmte Zentrum der Bäderstadt strömten nachts nur vom Burgholzhof, aus dem Schmidener Feld und aus dem Gewann Kreutelstein.

    Den Feuerbachern geht es etwas besser. Sie werden von einem größeren Kaltluftstrom aus dem Feuerbacher Tal versorgt. Hinter dem Stadtbezirk ist der weiter in Richtung Kornwestheim fließende Luftstrom allerdings nicht mehr taufrisch, sondern ab Zuffenhausen deutlich mit der vor allem von der B 10/27 stammenden Schadstofffracht belastet. Neben den großen Frischluftbahnen sind allerdings auch die begrünten Schneisen und Klingen wichtig, die von der Halbhöhe in den Talkessel führen. „Da strömen kleinere, zehn bis 20 Meter hohe Kaltluftströme talwärts, die für den lokalen Luftaustausch sorgen“, sagt Baumüller. Deshalb sei es richtig gewesen, diese durchgrünten Bronchien der Stadt durch einen mehrstufigen Rahmenplan vor einer Bebauung zu schützen.

    „Man muss sich aber auch daran halten“, fordert Baumüller. „Wegen des sich vollziehenden Klimawandels brauchen wir dringend jedes Quäntchen Grün und jeden Kubikmeter Frischluft.“ Stuttgart zähle zu den windärmsten Gebieten in Deutschland. Deshalb fehle hier oft die frische Brise, die den Menschen an heißen Tagen etwas Kühlung verschaffe. „Ohne den täglichen Luftaustausch gibt es in der Stadt kein Wohlfühlwetter mehr, sondern nur noch Hitzestress.“ Wenn etwas Wind wehe, dann nehme die an heißen Tagen gefühlte Temperatur gleich um ein paar Grad ab. Wenn der Klimawandel nicht gestoppt oder wenigstens gebremst werde, dann steige die Durchschnittstemperatur in Stuttgart bis zum Jahr 2100 um vier Grad Celsius. „Dann ist es hier so heiß wie heute in Rom, das immerhin 1000 Kilometer südlicher liegt“, prophezeit Baumüller.

    Aus diesem Grund müssen nach Ansicht des Fachmanns alle klimatisch bedeutsamen Freiflächen auch in Zukunft frei bleiben. „Dennoch wird der bestehende Flächennutzungsplan – nach dem Motto: von einem oder zwei neuen Häuschen geht die Welt nicht unter – viel zu oft geändert“, kritisiert Baumüller. Auch mehrere kleine Sündenfälle an den falschen Stellen könnten das empfindliche Klimagefüge ganz rasch zum Kippen bringen. „Es gibt genug Gebiete, in denen gebaut werden kann, ohne Kaltluftströme auszubremsen und das Klima zu belasten.“

    Baumüller geht es aber nicht nur um den Schutz der städtischen Atemwege. Auch die grünen Lungen, wie das Gebiet Rohrer Weg auf den Fildern oder das Gewann Kreutelstein in Bad Cannstatt, in denen die für die Bäderstadt unverzichtbare Kaltluft entstehe, müssten konsequent geschützt und freigehalten werden. „Denn ohne Quelle brauche ich auch kein Bachbett mehr.“

 

    Möhringen aktuell 01.2010

    Protest am Rohrer Weg -
    Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg gibt den Kampf für die Streuobstwiese nicht  auf

    Das erste große Bauschild thronte bereits über den Köpfen der Demonstranten. Und doch wird klar: Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg (SG) gibt nicht auf. Etwa 30 Aktive - unter ihnen auch Neulinge aus der Nachbarschaft - trafen sich trotz strömenden Regens Mitte Januar im Schneematsch, um zu diskutieren. Es war die zweite .Jrauerveranstaltunq" zu der die SG geladen hatte.

    Rückblick: Die SG setzt sich seit dem Jahr 2002 für die Streuobstwiesen am Rohrer Weg ein. Doch der Randstreifen entlang der Udamstraße wird bebaut werden. Das Vorhaben gründet sich auf ein Verwaltungsgericht- surteil, welches einen Ortsbauplan aus dem Jahre 1942 für rechtsgültig erklärt hatte. "Die Bebauung des Möhringer Ortsrandes entwickelte sich aber nicht nach den Plänen von 1942, sondern nach den Plänen von 1969'; so Rüdiger Reinboth, Vorsitzender der SG. Dennoch ging die Stadt damals nicht in Berufung. "Ich denke mit der heutigen Zusammensetzung im Gemeinderat würde das anders aussehen", sagt Grünen-Alt-Stadträtin Doris Peppler-Kelka, die seit jeher für die Streuobstwiesen kämpft. "Die letzte Chance" sei nun die sogenannte 7-Jahres-Frist, sagt Peppler-Kelka und erklärt: "Wurde ein gültiger Bebauungsplan nach sieben Jahren nicht ausgeschöpft, kann er mit Hilfe eines Beschlusses des Gemeinderates gekippt werden:' "Allerdings wäre eine finanzielle Entschädigung fällig'; weiß Ursula Minges, 2. Vorsitzende der SG.

    Damit bleibt wenig Hoffung bei den Aktivisten zurück: Die letzte großflächige Streuobstwiese in Möhringen wird bebaut. Regine Gauckler vom Bezirksbeirat Möhringen spricht aus, was vielen ins Gesicht geschrieben steht: "Wir sind fassungslos:' es

 

"Wir können nicht fassen, dass die Streuobstwiesen bebaut werden", so Regine Gauekler. Foto: es

 

 

    Filder-Zeitung 23. Februar 2010

Kettensägen schaffen Fakten am Rohrer Weg

    Möhringen. Lang hat die Schutzgemeinschaft gegen die Bebauung der Streuobstwiesen im Osten Möhringens gekämpft. Am Ende hat sie verloren. Am Samstag wurden die ersten Bäume gefällt, um Platz für bis zu sieben Einfamilienhäuser zu schaffen.
    Von Alexandra Kratz

    Es scheint, als sei es die Ironie des Schicksals: Noch am Freitag hatte die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg zum Baumschnitt eingeladen. Die Stämmchen auf den Streuobstwiesen im Osten Möhringens bekamen ihre Frühjahrskur. Am Samstag rückten dann Arbeiter mit schwerem Gerät an und fällten auf dem Grundstück an der Ecke Rohrer Weg/Udamstraße etliche Bäume. Auf dem Areal sollen in naher Zukunft bis zu sieben Einfamilienhäuser gebaut werden.

    Kettensägen
    Ursula Minges, Mitglied in der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, spricht von einem traurigen Ereignis. "Dass man so ein kostbares Gut anfasst, ist für mich immer noch unverständlich. Die Streuobstwiesen sind ein ausgewiesenes, hochwertiges Frischluft- Entstehungs- gebiet. Das ist auch in städtischen Gutachten nachzulesen", sagt sie. Die Schutzgemeinschaft sei nicht darüber informiert worden, dass die Kettensägen bereits so bald kreischen würden. Doch letztlich sei es fast zu erwarten gewesen. Schließlich dürfen Bäume laut dem Bundesnaturschutzgesetz nur außerhalb der Vegetationsperiode, also von Anfang November bis Mitte März, gefällt werden - es sei denn man beantragt eine Ausnahmegenehmigung.

    Zum Hintergrund: Seit Jahren kämpft die Schutz- gemeinschaft für den Erhalt der Streuobstwiesen im Osten Möhringens und insbesondere um das Areal an der Ecke Udamstraße/Rohrer Weg - was letzteres betrifft, hat der Verein am Ende jedoch verloren. Im Jahr 2007 gab das Verwaltungsgericht einer Klage der Eigentümer des Geländes statt und erklärte einen Bebauungsplan aus dem Jahr 1942 für rechtens. Endgültig den Weg für neue Einfamilienhäuser frei machte die damalige bürgerliche Mehrheit aus CDU, Freie Wähler und FDP im Stuttgarter Gemeinderat. Denn sie verzichtete darauf, juristisch gegen das Urteil vorzugehen. Immerhin: Die Stadträte verständigten sich darauf, den südlichen Bereich des Landschafts- schutzgebiets Rohrer Weg vor jeglicher Bebauung zu schützen (die Filder-Zeitung berichtete).

    "Mich ärgert diese Ignoranz gegenüber dem Bürger", sagt Minges und meint damit insbesondere die Ignoranz des Gemeinderats, der damals nicht gegen das Urteil geklagt hat. Die Schutzgemeinschaft selbst ließ nichts unversucht: Vor wenigen Tagen wendete sich der Verein mit einer Petition an den Landtag. "Wir haben noch einmal darum gebeten, dass man das Gebiet in Ruhe lässt." Eine Antwort habe die Schutzgemeinschaft noch nicht erhalten.

    In den vergangenen Wochen rief die Schutzgemeinschaft zudem mehrfach zu friedlichen Protestreaktionen auf. Noch immer wedeln die von den Naturschützern gemalten Plakate und Banner im Wind - in unmittelbarer Nähe zu dem großen Schild, auf dem der Bauträger für die geplanten Einfamilienhäuser wirbt und dem kleinen Baubüro, in dem sich potenzielle Käufer über Einzelheiten informieren können. "Ich mache niemandem, der sein Grundstück verkauft hat oder hier bauen will, einen Vorwurf. Es ist schließlich geltendes Recht. Aber es ist so unendlich schade. Alles soll möglichst schnell wachsen, nur die Natur nicht", sagt Ursula Minges.

    Die Schutzgemeinschaft werde weiter aktiv bleiben, kündigt das engagierte Vereinsmitglied an. "Wir haben bisher nicht geschlafen und werden auch jetzt nicht einschlafen. So lang wir noch Luft holen können, werden wir weiter um die Streuobstwiesen kämpfen, alte Bäume pflegen und neue Bäume pflanzen."

 


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    Filder-Zeitung 23. April 2010

    Bezirksbeirat will keinen Weg am Rohrer Weg

    Möhringen. Lokalpolitiker begrüßen Bebauungsplan für den Erhalt der Streuobstwiesen und Felder am Rohrer Weg. Von Kai Müller

    Es gibt kaum ein Gebiet über das in Stuttgart so viel gestritten wurde, wie über das Areal am westlichen Rand Möhringens. Längst steht freilich fest, wie es weitergeht: Entlang der Udamstraße dürfen sieben Häuser gebaut werden, während der Rest des Gebietes vor einer weiteren Bebauung geschützt werden soll. „Zum Rohrer Weg sind alle Argumente ausgetauscht", brachte es daher CDU-Bezirksbeirat Klaus Ebert in der Sitzung des beratenden Gremiums am Mittwochabend auf den Punkt.

    Die Stadtplaner Oliver Martini und Roland Dürr hatten zuvor den Lokalpolitikern das landschaftsplanerische Konzept für die Streuobstwiesen und Äcker am Rohrer Weg vorgestellt. „Ziel des Bebauungsplans ist es, die Freiräume und die herausragenden landschaftlichen Qualitäten des Gebiets dauer
    haft zu sichern", sagte Dürr. Allein 42 Brutvogelarten, davon elf Arten, die streng geschützt sind, seien auf der Grünfläche gezählt worden. Die Planer schlugen vor, durch das Areal in Nord-Süd-Richtung einen Geh-und Radweg anzulegen. Damit, so die Argumentation, könnten Störungen der Fauna und Flora durch Erholungssuchende verhindert werden.

    Die Mehrheit der Bezirksbeiräte war da aber ganz anderer Ansicht. „Dieser Weg ist absolut fehl am Platz", sagte Rainer Ackermann (SÖS/Linke). Dieser würde nur neuen Verkehr und Verschmutzung anziehen. Man habe schließlich schon die „Kröte einer Bebauung an der Udamstraße schlucken müssen." Rudolf Schaaf (SPD) stieß ins gleiche Horn: „Das Ziel, Freiräume zu erhalten, ist aller Ehren wert - mit Ausnahme des Weges." Rüdiger Reinboth (Grüne) sah keine „Notwendigkeit" für eine zusätzliche Nord-Süd-Verbindung. Gar als störend empfand ihn CDU-Lokalpolitiker Klaus Ebert: „Das widerspricht dem Naturschutzgebiet."

    Bis auf die FDP herrschte Einigkeit in dieser Angelegenheit. „Ich habe meine Probleme mit dem ganzen Plan", sagte Bezirksbeirätin Tanja Bachmann. Sie hielt es nicht für richtig, dass in diesem Gebiet komplett eine Bebauung ausgeschlossen wird. Das hätte der Stärkung Möhringens gedient, ergänzte die Kommunalpolitikerin.

    Die FDP-Gemeinderatsfraktion galt immer als Fürsprecher der Häuslebauer am Rohrer Weg. Die liberalen Stadträte hatten Ende des Jahres 2008 gemeinsam mit der CDU und den Freien Wählern dagegen gestimmt, dass die Stadt gerichtlich gegen ein Urteil vorgeht, das den Bau dreier Mehrfamilienhäuser aufgrund eines Bebauungsplans aus dem Jahr 1942 zulässt (wir berichteten). Mittlerweile ist der Bau dieser Häuser in vollem Gang, die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg hat dagegen mit „Trauermärschen" protestiert. Rüdiger Reinboth, Bezirksbeirat und Vorsitzender der Schutzgemeinschaft, appellierte in der Sitzung an die Grundstückseigentümer, sich der Neupflanzung von Bäumen auf dem Areal zu öffnen und Angebote wahrzunehmen. Zuvor hatte Stadtplaner Roland Dürr erläutert, dass die Streuobstwiese ein „demografisches Problem" plage: „Es gibt dort relativ wenig neue Bäume."

    Am Ende stimmten schließlich nur die beiden FDP-Bezirksbeiräte gegen den so genannten Auslegungsbeschluss, der die zweite Stufe des Bebauungsplanverfahrens darstellt. Am 27. April beschäftigt sich der Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderats mit diesem Thema.
    MILANKOVIC

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    Filder-Zeitung 25. April 2012

    Zeugen gesucht

    Bäume am Rohrer Weg beschädigt

    Möhringen Unbekannte haben mindestens 20 Obstbäume auf den Wiesen entlang der Rohrer Straße beschädigt. Die erst vor wenigen Jahren gepflanzten Gehölze seien offenbar gezielt angegangenen worden, heißt es im Polizeibericht. Ein Teil der Bäume müsse nun wahrscheinlich gefällt werden. Für Rüdiger Reinboth, dem Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, ist es schlicht „unverständlich und nicht akzeptabel“. „Das war bereits das dritte Mal, dass Bäume beschädigt wurden“, sagt er. Vermutlich wolle jemand die Entwicklung am Rohrer Weg torpedieren, obwohl diese von der Stadt gewollt sei. „Aber wer glaubt, dass er damit durchkommt, irrt sich“, sagt Reinboth. Die Schutzgemeinschaft will nun eine Art parteiübergreifendes Bündnis aufbauen, umdeutlich zumachen, dass die Bäume vielen Menschen in Möhringen wichtig sind. Derweil nimmt die Polizei Hinweise zu den beschädigten Bäumen unter Telefon 89 90-34 00 entgegen. atz

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    STUTTGARTER-ZEITUNG.DE 05.05.2012 08:00 Uhr

 
Streuobstwiese in Möhringen „Das ist ein Totalschaden“

Stefanie Käfferlein, 05.05.2012 08:00 Uhr
Beim Vororttermin wurden die Schäden unter die Lupe genommen.

    Möhringen - Und wieder war nur vorübergehend Ruhe. Bereits zum dritten Mal haben Unbekannte junge Bäume auf den Streuobstwiesen zwischen der Rohrer Straße und der Udamstraße beschädigt. Die Bäume waren 2011 von der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg gepflanzt und zum Teil vom Förderkreis Stuttgarter Apfelsaft gespendet worden. Betroffen waren auch Bäume der Stadt Stuttgart. Insgesamt 20 Sauerstoffspender sind beschädigt worden.

    Die Naturschützer wollen das jedoch nicht einfach hinnehmen. Schon in der Vergangenheit hatten sie jedes Mal Anzeige erstattet. Sie wollen sich weiterhin dafür einsetzen, die Streuobstwiese zu erhalten und ihre ökologische Bedeutung gegenüber der Öffentlichkeit deutlich machen. „Wir möchten aufzeigen, dass die Streuobstwiese und die Bäume wichtig sind und dass es notwendig ist, etwas zu unternehmen“, sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg und zugleich Sprecher der Grünen im Bezirksbeirat, Rüdiger Reinboth. Am Donnerstagabend hatte der Verein Möhringer Bezirksbeiräte, Stadträte und Vertreter der Verwaltung zu einem Spaziergang durch die Streuobstwiesen eingeladen, bei dem die zerstörten Bäume unter die Lupe genommen wurden. „Es ist notwendig, etwas zu unternehmen“, sagte Reinboth.

    Alle Jungpflanzen müssen wohl ersetzt werden

    Beim Anblick der Bäume konnten auch die Gäste nur den Kopf schütteln. „Die Bäume sind kaputt, das ist ein Totalschaden“, sagte Andreas Siegele, Obstbauberater der Stadt Stuttgart. Voraussichtlich muss jede der 20 Jungpflanzen ersetzt werden. „Die Pflanzzeit ist aber bereits vorbei“, sagte Siegele. Erst im Herbst könnten daher die neuen Bäume eingesetzt werden. Anja Neupert, die beim Garten, Friedhofs- und Forstamt für die Filder-Stadtbezirke zuständig ist, schätzte den Schaden auf 4000 bis 5000 Euro. „Die Bäume stehen derzeit im Saft, so dass es nicht schwer war, die Äste abzubrechen“, sagte Neupert.

    Dass es sich um einen dummen Jungenstreich handelt, daran glaubt unterdessen längst keiner mehr. „Hier ist jemand am Werk, der aktiv die Bäume mehrfach geschädigt hat“, sagte auch Renate Kübler von der Unteren Naturschutzbehörde. Es muss jemand gewesen sein, der gewusst hat, wie man die Bäume kaputt macht, darüber waren sich die Fachleute einig. Für seine neuen Bäume braucht der Verein das nötige Kleingeld. Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Nikolaus Tschenk, regte unter anderem an, sich damit an den Bezirksbeirat zu wenden.

    Hoffen auf Unterstützung durch Landschaftsraum Filder

    Um auf die Wertigkeit der Streuobstwiese aufmerksam machen zu können, hofft die Schutz- gemeinschaft auch auf Unterstützung durch den Landschaftsraum Filder. Schon im Februar hatte die Grünen-Fraktion – angeregt durch die Schutzgemeinschaft – im Bezirksbeirat in einem Antrag gefordert, dass die Streuobstwiese Rohrer Weg in die Überlegungen zum Landschaftsraum einbezogen wird. Außerdem wollen die Naturschützer Schautafeln, die auf die Bedeutung der Streuobstwiese aufmerksam machen. „Die Streuobstwiese spielt klimatologisch eine große Rolle“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Ursula Minges. Sie ergänzte: „Außerdem leben hier allein 40 Brutvogelarten.“

     

    Filder-Zeitung 21. Oktober 2013

    Wieder Bäume zerstört

    Möhringen Auch im Gebiet Hengstäcker haben unbekannte Täter gewütet. Hinweise gibt es bisher keine.
    Von Rebecca Stahlberg

    Einmal in der Woche geht Günther Franz mit seinem Hund im Gebiet Hengstäcker Gassi. Bereits vor einiger Wochen sei ihm aufgefallen, dass am Aussichtspunkt mit den Sitzbänken zwei Bäume zerstört worden waren, erzählt er. Die Berichterstattung über den zerstörten Apfelbaum zwischen der Kirche Sankt Hedwig und dem Kinderhaus habe er zum Anlass genommen, auch auf diesen Fall von Vandalismus hinzuweisen. „Ich habe damals Fotos gemacht und meinen Fund nun auch der Polizei gemeldet“, sagt er. Diese habe von den zerstörten Bäumen noch keine Kenntnis gehabt.

    Die Hintergründe der Tat liegen auch hier im Unklaren. Handelt es sich um Mutproben oder jugendlichen Leichtsinn, wollen die Täter Aggressionen ablassen oder hat derjenige es absichtsvoll aus einem bestimmten Grund getan? Beim Vandalismusvorfall auf der Streuobstwiese am Rohrer Weg im vorigen Jahr stand im Raum, dass sich jemand aus Ärger an der doch noch verhinderten Bebauung des Areals an den Bäumen vergriffen hatte.

    Klar ist: Baumfrevel ist kein Kavaliersdelikt. Eine solche Tat gilt als gemeinschädliche Sachbeschädigung. Sie kann – je nach Schwere – mit einer Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden. Zuständig für solche Vorfälle ist neben der Polizei auch der städtische Vollzugsdienst. Dieser ist beim Amt für öffentliche Ordnung angesiedelt. Der Vollzugsdienst ist gemeinhin auch als „Feldschutz“ bekannt.

    Gerald Petri vom Ordnungsamt kann eine Häufung von Vandalismusvorfällen gegen Bäume aktuell nicht bestätigen. „Es sind uns dieses Jahr hierzu noch keine Auffälligkeiten gemeldet worden“, berichtet
    er. Wenn es allerdings konkrete Hinweise aus der Bevölkerung gebe, werde man die Mitarbeiter sensibilisieren. Trotz der in den vergangenen Jahren verringerten Personaldecke beim Feldschutz bemühe man sich selbstverständlich, solchen Vorfällen nachzugehen, betont Petri. Man sei in solchen Fällen
    aber auf Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

    Kontakt Wer weitere beschädigte Bäume nennen oder Hinweise zu den Tätern geben kann, kann sich an den städtischen Vollzugsdienst unter Telefon 216-919 00 wenden.
     

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